Prozess gegen mutmaßliche Mörder Djindjics fortgesetzt

14. April 2004, 16:56
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Demokratische Partei: Ein Anwaltsteam soll Verhandlungen beobachten

Belgrad - Vor dem Belgrader Spezialgericht zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität ist heute, Dienstag, nach einmonatiger Pause der Prozess gegen die mutmaßlichen Mörder von Regierungschef Zoran Djindjic fortgesetzt worden. Auf der Anklagebank sitzen fünf von insgesamt 13 Angeklagten. Acht Verdächtige, darunter auch der mutmaßliche Hauptorganisator des Attentates am 12. März 2003, der einstige Kommandant der Spezialpolizeieinheit "Rote Barette", Milorad Lukovic "Legija", sind weiterhin auf der Flucht.

Vor dem Gericht wurde die Aussage eines angeklagten einstigen Mafia-Mitglieds, Dusan Krsmanovic, gegenüber der Polizei verlesen. In den kommenden Tagen sollen drei geschützte Zeugen - ein ehemaliger Polizist und zwei Mafia-Angehörige - unter Ausschluss der Öffentlichkeit ihre Aussagen machen. Danach soll auch der frühere Bodyguard von Djindjic, Milan Veruovic, vorgeladen werden. Er wurde beim Attentat selbst schwer verwundet.

Anwaltsteam soll Prozessverlauf beobachten

Die Demokratische Partei Serbiens hat indes mitgeteilt, sie würde verhindern, dass der Prozess zur Farce werde. Ein von der Partei engagiertes Anwaltsteam soll künftig den Prozessverlauf beobachten.

Die Partei des ermordeten Regierungschefs forderte den Innenminister Dragan Jocic gleichzeitig auf, neue Beweise in der Causa Djindjic, sollten solche vorliegen, der Spezialstaatsanwaltschaft zuzustellen. Jocic hatte am Wochenende neue Polizeiermittlungen in Aussicht gestellt. Von der früheren Regierungskoalition wurde diese Ankündigung als ein Versuch gedeutet, den laufenden Prozess ad absurdum führen zu wollen.

Kontakte zur Zemun-Mafia

Rajko Danilovic, der Anwalt der Witwe von Djindjic, Ruzica, beschuldigte indes den Chef der Sicherheits- und Informationsagentur BIA (einst Staatssicherheitsdienst, Anm.) Rade Bulatovic, das Attentat auf Djindjic nicht vollständig aufklären zu wollen. Der frühere Sicherheitsberater des ehemaligen jugoslawischen Präsidenten Vojislav Kostunica wurde im Vorjahr selbst wegen Kontakten zur Zemun-Mafia festgenommen. Die landesweit größte Mafia-Gruppe im Belgrader Vorort Zemun soll am Mordanschlag beteiligt gewesen sein. Gegen Bulatovic wurde allerdings keine Anklage erhoben.

Der ehemalige serbische Vize-Innenminister Nenad Milic erklärte gegenüber dem Sender "B-92", dass die Polizei nicht aufklären konnte, wer die Auftraggeber des Mordes an Djindjic waren. Gemäß Milic steht allerdings auf Grund der vorliegenden Beweise außer Zweifel, dass nur ein Scharfschütze und nicht zwei, wie in der Öffentlichkeit häufig spekuliert, beteiligt gewesen sei.

Auflösung des Spezialgerichtes sei Fehlinterpretation

Justizminister Zoran Stojkovic hatte vor zwei Wochen die Auflösung des Ende des Vorjahres gebildeten Spezialgerichtes in Aussicht gestellt. Nach heftiger öffentlicher Reaktion ließ er jedoch wissen, dass es sich um eine Fehlinterpretation seiner Äußerung gehandelt habe. (APA)

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