Bush wusste von möglichem Terroranschlag

16. April 2004, 15:04
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Ein Dokument, das bereits im August 2001 vor Anschlägen der Al-Kaida in den USA warnte, setzt das Weiße Haus unter Druck

Präsident George W. Bush wehrte sich Sonntag gegen Vorwürfe, seine Reaktion auf ein Memorandum im Sommer 2001, das nur wenige Wochen vor dem Terroranschlag des 11. September vor möglichen Terroranschlägen auch innerhalb der USA warnte, sei unzureichend gewesen: Hätte er spezifische Informationen gehabt, hätte er "Berge versetzt".

Das so genannte PDB (President's Daily Brief) vom 6. August 2001 war Bush während seines Sommerurlaubs in Crawford, Texas, vorgelegt worden. Darin wiesen die Geheimdienste darauf hin, dass Al-Kaida seit 1997 Angriffe in den USA beabsichtige.

Kritik am Präsidenten

Trotz der Aussagen der Nationalen Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice, es habe sich um ein "historisches Dokument" gehandelt, und Bushs Beteuerung, er sei damit zufrieden gewesen, in dem Memorandum zu lesen, dass das FBI die Sache mit 70 separaten Untersuchungen im Griff gehabt habe, verstummt die Kritik am US-Präsidenten nicht. Das Memorandum, so ein hochrangiger Beamter, sei "in sich selbst dazu da gewesen, die Aufmerksamkeit des Präsidenten zu erlangen und ihn vor Bedrohungen zu warnen".

Der demokratische Kongressabgeordnete Charlie Rangel aus New York fasste die Stimmung der Bush-Kritiker zusammen: "Ich glaube, das ganze Land will jetzt nicht wissen, ob 9/11 verhindert werden hätte können oder nicht, sondern was der Präsident getan hat, als er diese Information erhielt." Bis jetzt hielt sich das Weiße Haus über Bushs Reaktionen nach Erhalt jenes Memorandums bedeckt. Fernsehbilder vom folgenden Tag, dem 7. August 2001, zeigen ihn unbekümmert und mit Reportern scherzend beim Golfspiel.

Die Dienstag und Mittwoch stattfindenden Hearings vor der 9/11-Kommission könnten einen Teil der offenen Fragen beantworten: der ehemalige FBI-Direktor Louis Freeh und dessen Nachfolger Robert Mueller sowie die Justizminister der Regierungen Clinton und Bush, Janet Reno und John Ashcroft, werden öffentlich und unter Eid aussagen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.4.2004)

Susi Schneider aus New York
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    Bisher hält sich das Weiße Haus über Bushs Reaktionen nach Erhalt des Memorandums bedeckt.

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