Die Schweiz führt Bausparförderung ein

20. April 2004, 10:37
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Wohnungseigentum soll forciert werden

Wien - Die Schweizer sind zum überwiegenden Teil ein Volk von Mietern. Lediglich 30 bis 40 Prozent (je nach Kanton) aller Schweizer wohnen im eigenen Heim. Ausschlaggebend dafür dürften vor allem die hohen Preise für Wohneigentum sein. Zusätzlich verfügt die Schweiz über ein großes Angebot an Mietobjekten mit hohem Ausbaustandard.

Steuerreform

Nun hat das Schweizer Parlament und der Bundesrat im Zuge einer Reform der Wohnungseigentumsbesteuerung eine flächendeckende Bausparförderung beschlossen, über die Mitte Mai in einer Volksabstimmung abgestimmt wird. Als einziger Kanton in der Schweiz kennt bisher Baselland ein Bausparmodell. Dort ist die Eigentumsquote in den Jahren 1990 bis 2000 von 37 auf 41,5 Prozent gestiegen.

Konkret wird die Schweiz eine so genannte Bausparrücklage für Personen bis zum 45. Lebensjahr eingeführt, die in der Schweiz zum ersten Mal Wohnungseigentum erwerben. Einzelpersonen können jährlich rund 12.000 Schweizer Franken (7700 Euro) (Verheiratete 24.000 Franken) auf ein Bausparkonto einbezahlen und vom zu versteuernden Einkommen abziehen. Außerdem sind die Beträge von den kantonalen Vermögenssteuern befreit.

Die Laufzeit der steuerlich begünstigen Bausparverträge beträgt mindestens fünf, maximal zehn Jahre. Die Zinsen auf den Bausparguthaben sind während der Vertragsdauer von der Steuer befreit. Spätestens zwei Jahre nach Ende der Laufzeit muss mit dem Geld Wohnungseigentum am Hauptwohnsitz erworben werden. Andernfalls wird das angesparte Kapital samt den Zinsgutschriften mit der jeweiligen Einkommenssteuer versteuert. Das gilt auch für den Fall, dass innerhalb der ersten fünf Jahre nach dem Erwerb der Immobilie die Nutzung geändert wird, bzw. die Liegenschaft verkauft wird "ohne dass der erzielte Erlös zum Erwerb einer gleich genutzten Ersatzliegenschaft in der Schweiz verwendet wird", heißt es in einer Aussendung des Schweizer Finanzministerium.

Die Einführung des Bausparens geht einher mit einer neuen Form der Wohnungseigentumsbesteuerung. So wird die Besteuerung des selbst genutzten Wohnungseigentums, der so genannte Eigenmietwert, abgeschafft. Im Gegenzug dürfen die auf diesem Wohnungseigentum anfallenden Kreditzinsen und Unterhaltskosten nicht mehr von der Steuer abgesetzt werden. Allerdings gelten für Neuerwerber in den ersten Jahren Ausnahmen.

Systemwechsel

In Summe führt "der Systemwechsel bei der Besteuerung des Wohnungseigentums", laut Finanzministerium allein bei der direkten Bundessteuer zu Mindereinnahmen von 480 Millionen Franken, davon gehen 70 Prozent zulasten den Bundes und 30 Prozent zulasten der Kantone. Die Reform, die 2008 in Kraft tritt, bewirke "steuerliche Vereinfachung und gezielte Erleichterungen. (Claudia Ruff, Der Standard, Printausgabe, 13.04.2004)

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