Panagl: "Fühle mich zum Lächeln gebracht"

13. April 2004, 19:03
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Auf den Wahlplakaten werden die Eigenschaften der Kandidaten auf den Punkt gebracht - Auch wenn nicht besonders tief argumentiert wird, so der Sprachwissenschafter im STANDARD-Interview

STANDARD: Was wollen uns die Präsidentschaftskandidaten mit ihren Slogans sagen?

Panagl: Sie wollen sich stark mit ihrer persönlichen Seite präsentieren. Es werden Eigenschaften auf den Punkt gebracht, die man spontan und assoziativ mit den Kandidaten verbindet. Dass sie nicht tief argumentieren oder politische Botschaften in umfassendem Sinn darstellen, mag mit Besonderheiten der Plakatwerbung zusammenhängen. Die Auffassungsbereitschaft des Publikums ist viel stärker persönlichkeitsorientiert und hebt auf die Semiotik, auf Zeichen ab.

STANDARD: Was sind die sprachlichen Eigenheiten der Slogans von Ferrero und Fischer?

Panagl: Bei Fischer kommt immer wieder das ethische Moment in der Sprache zum Ausdruck. Da kommt immer wieder ein "brauchen" und "müssen" hinein. In seinen Botschaften findet sich eine etwas distanziertere, sprödere, funktionalistischere Ausdrucksweise. In den Slogans von Ferrero wird stärker auf populäre Redewendungen abgehoben, die man gar nicht so sehr mit politischer Semantik verbindet. Das ist ein Zugehen auf den aktiven Sprachgebrauch potenzieller Wähler.

STANDARD: Bei Fischer findet sich auch häufig das Wort "wieder".

Panagl: Man fragt sich, ob seine Wahlstrategen an ganz bestimmte gegenwärtige Zustände oder Personen denken bei dem Satz "Unser Land braucht wieder mehr Fairness". Fischer kann sich damit von der Regierung abheben wollen oder vom derzeitigen Amtsinhaber. Das bleibt unausgesprochen. Aber der Satz bezieht sich auf etwas, denn "wieder" hat einen Sinnhorizont. Es muss bedeuten, dass es diese Fairness schon einmal gegeben hat und dass sie jedenfalls erstrebenswert ist, sonst würde da nicht "brauchen" oder "müssen" stehen.

STANDARD: Ferrero-Waldner hat am Freitag zwei neue Plakate präsentiert, die sprachlich etwas von dem bisherigen Konzept abweichen.

Panagl: Damit reagiert man auf Kritik aus dem gegnerischen Lager, auf Meinungsumfragen. Man hat vielleicht durch diese sehr volkstümlichen Redewendungen ihre innenpolitische Kompetenz etwas unterbelichtet. Bei den 101 Staatschefs und den Sprachen, die Ferrero spricht, fühle ich mich zum Lächeln gebracht. Das ist ein Moment der Übertreibung. (DER STANDARD, Printausgabe, 10./11./12.4.2004)

Das Interview führte Karin Moser

Zur Person

Oswald Panagl, geb. 1939, ist Professor für Sprachwissenschaft an der Universität Salzburg.

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