Streit zwischen Mobilcom und Ex-Chef Schmid eskaliert

18. April 2004, 16:39
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Staatsanwaltschaft Flensburg ermittelt - Schwere gegenseitige Vorwürfe

Der Streit zwischen dem Gründer der deutschen Mobilcom, Gerhard Schmid, und dem heutigen Management des Unternehmens eskaliert. Die Staatsanwaltschaft Flensburg ermittelt wegen einer Strafanzeige von Schmids Ehefrau Sybille Schmid-Sindram "gegen Verantwortliche von Mobilcom wegen des Verdachts des versuchten Prozessbetrugs und der Urkundenfälschung", wie das Nachrichtenmagazin "Focus" am Freitag unter Berufung auf Staatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt berichtete.

Unlauter

Die Anwälte von Schmid-Sindram werfen demnach der Mobilcom-Spitze unlautere Methoden bei der Neubesetzung des Aufsichtsrats vor, die zur Wahl des jetzigen Aufsichtsratschefs Dieter Vogel geführt haben sollen. Der frühere Thyssen-Chef Vogel war Anfang 2003 nach mehreren gescheiterten Anläufen zum Aufsichtsratschef gewählt worden. Er hatte zuvor als Unterhändler den Mobilcom-Rettungsplan mit Banken, Regierung, Lieferanten und Großaktionär France Telecom ausgearbeitet.

Entscheidende Stimme

Laut "Focus" soll für diese Wahl die Stimme des von Vogel vorgeschlagenen Aufsichtsrats Horst Dietz entscheidend gewesen sein. Dietz habe den zum Schmid-Lager zählenden Carsten Meyer ersetzt. "Gegen diesen Wechsel im Aufsichtsrat klagten die Schmids vor dem Landgericht Flensburg und gewannen am Mittwoch: Laut Urteil war Dietz nie Mobilcom-Aufsichtsrat, weil Meyer gar nicht wirksam zurückgetreten war und somit im Gremium verbleibt", berichtete das Magazin.

Dazu sagte Mobilcom-Sprecher Tobias Weitzel der AP, Vogel sei damals ohne Gegenstimme gewählt worden. "Deswegen ist es keineswegs auf die Stimme von Dietz angekommen." Im Übrigen seien sämtliche Entscheidungen seit der Wahl Vogels einstimmig gefallen, so dass es nie auf eine einzelne Stimme angekommen sei. "Deswegen stellt sich überhaupt nicht die Frage, ob Beschlüsse nicht wirksam waren."

Sonderprüfung eines Gutachters

Außerdem streiten Schmid und Mobilcom über die Sonderprüfung eines Gutachters. So teilte am Donnerstag die Mobilcom AG mit, der auf Antrag von Schmid-Sindram Anfang 2003 bestellte Sonderprüfer komme zu dem Schluss, dass Schmid "als Vorstandsvorsitzender der Mobilcom AG pflichtwidrig gehandelt hat". Der Sonderprüfer habe die Vorgänge um ein Aktienoptionsgeschäft von rund 70 Millionen Euro untersucht, das Schmid mit der Millenium GmbH - einer Gesellschaft seiner Frau - abgeschlossen habe.

Mobilcom erklärte zudem: "Es fällt auf, dass Gerhard Schmid den Sonderprüfungsbericht bereits zu einem Zeitpunkt öffentlich kommentiert hat, als er der Gesellschaft noch nicht einmal vorlag." Daher werde das Unternehmen prüfen, ob der von Schmid-Sindram benannte Prüfer seine gesetzlichen Pflichten erfüllt habe.

Kein Rückzahlungsanspruch der Mobilcom

Dagegen teilte die Millenium GmbH mit, eine anwaltliche Bewertung der Sonderprüfung ergebe, dass kein Rückzahlungsanspruch der Mobilcom AG gegenüber Millenium oder gegen Schmid oder gegen Schmid-Sindram bestehe. Darum werde Millenium beim Landgericht Kiel eine bereits eingereichte Klage gegen Mobilcom wegen des Vorwurfs der ungerechtfertigten Bereicherung weiter vorantreiben.

Am Freitag erklärte Millenium Mobilcom gehe in ihrer Erklärung vom Vortag "überhaupt nicht darauf ein, dass der Sonderprüfer Pflichtverstöße von Vorstand Thorsten Grenz und Chefjustiziar Ulrich Kalthoff aufgedeckt" habe. Diese Mobilcom-Mitteilung sei "offensichtlich eine ähnlich dubiose Aktion wie die - unter der Verantwortung des Chefjustiziars Ulrich Kalthoff erfolgte - Vorlage gefälschter Unterlagen beim Landgericht in Flensburg". (APA)

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