USA unterbreiten Muktada el Sadr Waffenstillstandsvorschlag

11. April 2004, 15:17
165 Postings

Entwaffnung seiner Miliz vorgesehen - Sadr heißt Vorschläge zum Teil gut - Schiitenführer hatte Bush mit "Revolution" gedroht: "Wir raten dir, aus dem Irak abzuziehen"

Kufa/Najaf/Beirut/Bagdad - Die US-geführte Koalition im Irak hat dem radikalen Schiitenführer Muktada al Sadr nach Angaben eines Vermittlers den Entwurf einer Waffenstillstandsvereinbarung übermittelt. Das Dokument sehe die Entwaffnung von Sadrs Miliz, der "Mehdi-Armee", sowie deren Rückzug aus öffentlichen Gebäuden vor, sagte Jawad el Maliki von der gemäßigten schiitischen Dawa-Partei am Samstag in Najaf. Zudem sollten Sadrs Anhänger die staatlichen Institutionen respektieren und die Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung ermöglichen. Sadr habe die Vorschläge zum Teil gutgeheißen.

Rückzug gefordert

Es gebe Wege zu einem Kompromiss, sagte Maliki weiter. Sadr fordere den Rückzug der kampfbereiten US-Truppen aus Najaf und ein "Ende der Festnahmen von Schiiten". Die USA wollen einen seit dem vergangenen Herbst vorliegenden Haftbefehl gegen Sadr vollstrecken, der wegen der angeblichen Beteiligung Sadrs am Mord an dem konkurrierenden schiitischen Würdenträger Abdel Madschid el Choi im vergangenen Jahr ausgestellt wurde. Maliki zufolge könnte ein Kompromiss darin bestehen, den Fall vor einem religiösen Gericht unter schiitischer Führung verhandeln zu lassen.

Der radikale Schiitenführer hatte US-Präsident George W. Bush mit einer "Revolution" gedroht, sollte er seine Truppen nicht aus dem Irak abziehen. "Ich wende mich direkt an meinen Feind Bush. Du kämpfst nun gegen eine ganze Nation, vom Süden bis zum Norden, vom Osten bis Westen, und wir raten dir, (die Truppen) aus dem Irak abzuziehen", hieß es in der Freitagspredigt Al Sadrs, die in einer Moschee in Kufa verlesen wurde.

Darin drohte Mukada el Sadr den USA, wenn sie ihre Truppen nicht abzögen, müssten sie sich auf eine "irakische Revolution" gefasst machen. Al Sadr selbst hält sich inzwischen in Najaf auf. Gegen ihn besteht ein Haftbefehl wegen Mordes. Sadr ist aus Protest gegen die US-geführte Besatzungsmacht nach Angaben aus seinem Umfeld in einen Hungerstreik getreten.

Der Aufstand hat innerhalb weniger Tage die meisten Städte im mehrheitlich von Schiiten bewohnten Süden und Zentralland des Iraks erfasst. In Nadschaf, einer seiner Hochburgen, versammeln sich derzeit Tausende von Schiiten für das Fest Arbain. (APA/Reuters)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Muktada al Sadr drohte mit einer Revolution.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Anhänger von Muktada al Sadr in Bagdad.

Share if you care.