US-Autoindustrie sagt Import-Limousinen den Kampf an

21. April 2004, 14:05
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Die "Großen Drei" setzen wieder auf klassische Pkw - Autohersteller glauben nicht an künftig günstigere Spritpreise

New York - Vor einem halben Jahrhundert hatten die drei amerikanischen Autohersteller ihren Heimmarkt ganz für sich allein - General Motors verkaufte auf dem riesigen US-Automarkt 60 Prozent aller Fahrzeuge, Ford 25 Prozent und Chrysler 15 Prozent. Die Zeiten haben sich geändert: Bis 2003 ist der Marktanteil der "Big Three" auf knapp über 60 Prozent gesunken. Hauptgrund: die US-Industrie hatte sich auf die Sprit fressenden, gewinnträchtigeren Sport Utility Vehicles (SUV) verlegt und auf die klassischen Pkw eher vergessen.

Während in Detroit die Autotypen Silverados, Rams und F-150er von den Fließbändern rollten, überschwemmten die Hersteller Europas und Asiens den US-Markt mit Pkws, Coupes und Kabrios. Die japanische Toyota Motor Co hat sich nicht nur zum weltweit führenden Autohersteller entwickelt, sie baut auch die meist verkaufte Automarke in den USA. Bitteres Fazit für die Amerikaner: Der Pkw-Kombi-Markt-Anteil der "Großen Drei" aus Detroit sank auf nur noch 44,9 Prozent der Neuzulassungen.

Detroit schlägt zurück

Jetzt schlagen die Detroiter Autobosse zurück. Pkws sind plötzlich wieder "in", nicht zuletzt auf Grund der Rekord-Benzinpreise. Die Präsentation wichtiger neuer Modelle auf der New York International Auto Show vom 9. bis 18. April im Jacob Javits Center zeigt die Bedeutung des Pkws in der strategischen Planung der "Großen Drei".

Die New Yorker Messe ist die älteste in den USA. Dieses Jahr feiert sie ihr hundertjähriges Bestehen. Detroit macht im Jänner den Auftakt der verschiedenen Autosalons. Doch die New Yorker Veranstaltung gewinnt an Bedeutung. Seit 12 Jahren besuchen jährlich mehr als eine Mio. Personen die Ausstellung; 1,2 Millionen waren es in 2003.

Neue Modelle

Von den fünfzig in New York präsentierten neuen Pkws feiern 20 Weltpremiere. Unter dem Motto "Year of the Car" - das Jahr des Pkws - stellen die Amerikaner eine Vielzahl neuer Modelle vor. "Pkws haben ihren einstigen Stellenwert zurückgewonnen", sagte Stephen G. Lyons, Präsident der Ford-Autoabteilung des zweitgrößten US-Herstellers. In New York stellt Ford dieses Jahr 12 neue Pkws vor; letztes Jahr waren es nur drei Modelle gewesen. "Wer Marktanteile gewinnen will, braucht Produkte", so Lyons. "Wir haben für die nächsten fünf Jahre im Pkw-Segment 65 Neuheiten eingeplant".

General Motors schließt sich an. Sechzehn Neuheiten hat der US-Branchenerste dieses Jahr auf verschiedenen Automessen vorgestellt, darunter drei in New York. Chrysler zeigt in New York neun Neuheiten im Pkw-Bereich. Jeff Bell, Bereichschef des Chrysler-Autosektors, spricht von einer "Rückkehr des Great American Car". Gemeint sind uramerikanische PS-Muskelprotze, allerdings mit europäischem Touch.

Während die die meisten Autohersteller immer größere und teurere Auto vorführen, hofft Ford auch mit sparsamen und umweltfreundlichen Hybrid-Autos stärker ins Geschäft zu kommen. Bis zum Modelljahr 2007 will Ford zwei Hybrid-Geländewagen und einen Mittelklasse-Pkw mit Hybrid-Option vorstelllen. Es sei unvernünftig, an die Rückkehr niedriger Benzinpreise zu glauben, sagt Konzernchef Bill Ford.(APA)

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    Der neue 2005 Cadillac STS wird in New York präsentiert

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