Montageprofi Würth baut sich Grass ein

16. April 2004, 14:05
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Deutscher Montagespezialist Würth übernimmt den Beschlägehersteller Grass in Vorarlberg - Nicht alle 877 Jobs dürften zu retten sein

Bregenz/Höchst/Wien - Die deutsche Würth-Gruppe übernimmt rückwirkend mit 1. März den Vorarlberger Beschlägehersteller Grass. Würth übernimmt mit den 76 Prozent der Familie Grass die Aktienmehrheit; der Streubesitz (24 Prozent, 321.600 Vorzugsaktien) soll maximal 5,80 je Aktie erhalten. "Ein faires Angebot", sagte Eigentümervertreter Alfred Grass, "nach Abzug der Kosten kann es auch weniger sein."

Die börsennotierte Grass-Holding, das Dach der operativen Gesellschaften, wird aufgelöst und vom Kurszettel der Wiener Börse ("Standard Market") verschwinden. Freitagmittag notierte die Grass-Aktie mit 6,00 um 1,7 Prozent höher als am Vortag.

Beide Marken sollen erhalten bleiben

Die Übernahme durch Würth bedeute "ein klares Bekenntnis für Unternehmensentwicklung und -wachstum durch Finanzkraft und Managementkompetenz in beiden Unternehmensgruppen", teilte Würth mit. Beide Marken sollen erhalten bleiben.

Hintergrund des Verkaufs seien die "schwierige wirtschaftliche Situation" und hoher Kapitalbedarf für neue Investitionsprogramme bei Grass gewesen. In den nächsten drei Jahren sollen bei Grass Investitionen bis zu 50 Mio. Euro in Rationalisierung, Prozessoptimierung und die Entwicklung innovativer Produkte investiert werden.

Produktionsstandorte

Wie es mit den rund 900 Grass-Beschäftigten weitergeht, ist offen. "Die Situation wird jetzt genau analysiert", erklärte Karl-Heinz Grabher, Mitglied der Würth-Führungskonferenz. Er könne derzeit nichts ausschließen. Grundsätzlich sollten die Produktionsstandorte Höchst, Kernersville (USA) und Verl (Deutschland) erhalten bleiben, es seien aber Restrukturierungsmaßnahmen erforderlich, sagte Grabher.

Die in mehr als 40 Ländern tätige und auf Scharniere, Schubladen- und Auszugssysteme für Küchenmöbel spezialisierte Grass-Gruppe erwirtschaftete zuletzt einen Jahresumsatz von 125 Mio. Euro. Bei Vorlage der Neunmonatszahlen im März war das schwache US-Geschäft (50 Prozent des Umsatzes) für ein Umsatzminus von 97,9 auf 88,3 Mio. verantwortlich gemacht worden. Der Vorsteuerverlust (EGT) hatte sich auf minus 3,9 (nach minus 1,3) Mio. verdreifacht; die Zahl der Mitarbeiter wurde um 50 auf 877 reduziert.

Kerngeschäft der Würth-Gruppe ist der Handel mit Befestigungs- und Montagematerial wie Schrauben und Beschläge. Mit rund 42.000 Mitarbeitern in 80 Ländern erwirtschaftete Würth 2003 5,5 Mrd. Umsatz und 330 Mio. Jahresergebnis. (APA, Der Standard, Printausgabe, 10.04.2004)

  • Der auf Beschläge und Scharniere spezialisierte Familienbetrieb Grass in Höchst wechselt den Besitzer
    foto: grass

    Der auf Beschläge und Scharniere spezialisierte Familienbetrieb Grass in Höchst wechselt den Besitzer

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