Österreich ist Makler-Paradies

16. April 2004, 14:02
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Europarekord bei Provisionen - AK verlangt Absenkung der gesetzlichen Provisions-Obergrenze auf deutsches Niveau

Wien - "Österreich ist ein Schlaraffenland für Wohnungsmakler", beurteilt die Arbeiterkammer (AK) das Ergebnis einer eigenen Untersuchung von 200 über Makler inserierte Wohnungsangebote.

Für eine gleiche Mietwohnung müsse ein Mieter in Österreich eine um 70 Prozent höhere Maklerprovision zahlen als in Deutschland. Ursache sei, dass die in der Maklerverordnung festgelegten Provisions-Obergrenzen viel zu hoch seien.

Bei den untersuchten Mietwohnungen haben die Makler laut AK für eine Wohnung unter 100 Quadratmeter im Durchschnitt 2.370 Euro (33 Euro je m2) brutto als Provision von den Mietern verlangt, für eine Wohnung über 100 Quadratmeter 5.680 Euro brutto (40 Euro je m2).

Fast alle Makler hätten die höchstmögliche Provision verlangt, nur 15 Prozent seien unter der gesetzlichen Obergrenze geblieben. "Es kann nicht sein, dass junge Familien mehr als 3.000 Euro zahlen müssen, nur damit sie einmal den Wohnungsschlüssel bekommen", so AK-Präsident Herbert Tumpel.

Dreifache Gesamtmiete

Die Nettoprovision, die der Makler vom Mieter verlangen darf, kann in Österreich die dreifache Gesamtmiete ausmachen, exklusive der auf die Miete entfallenden Mehrwertsteuer.

Bei einem Dreijahresvertrag darf der Makler bis zur doppelten Gesamtmiete als Provision verlangen. In den meisten der untersuchten Fälle sei aber die Mehrwertsteuer auf den Mietzins nicht herausgerechnet worden, bevor die Mehrwertsteuer für die Provision aufgeschlagen wurde, so die AK.

Damit sei die Provision höher geworden. Etliche Makler hätten auch Heizkosten oder Warmwasserkosten in ihren Prozentzuschlag eingerechnet. Die AK rät den Mietern, die Maklerprovisionen genau zu überprüfen, da in einigen Fällen überhaupt keine Maklerprovision verrechnet werden darf.

Beispielsweise wenn der "Makler" der bestellte Hausverwalter des Hausbesitzers ist, oder wenn ein bestehender Mietvertrag nur verlängert oder erneuert wird.

22,7 Prozent der Jahresmiete

Durchschnittlich zahlen die Mieter in Österreich laut AK 22,7 Prozent der Jahresmiete als Maklerprovision. In Deutschland sind es nur 13,3 Prozent, in Italien beispielsweise 3,5 Prozent. In einigen Ländern wie Belgien, Norwegen oder der Schweiz ist die Einschaltung von Maklern nicht üblich.

Dort inserieren die Hausverwaltungen oder, wenn doch ein Makler eingeschaltet wird, zahlt der Vermieter die Provision, so die AK. Die Arbeiterkämmerer verlangen daher eine Senkung der Provisions-Obergrenze in Österreich auf das deutsche Niveau, also höchstens den zweifachen Nettomietzins. (APA)

  • Für eine gleiche Mietwohnung muss ein Mieter in Österreich eine um 70 Prozent höhere Maklerprovision zahlen als in Deutschland
    foto: photodisc

    Für eine gleiche Mietwohnung muss ein Mieter in Österreich eine um 70 Prozent höhere Maklerprovision zahlen als in Deutschland

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