Neues Drohvideo in Wohnung der mutmaßlichen Madrid-Attentäter gefunden

9. April 2004, 18:11
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Abzug der spanischen Truppen innerhalb einer Woche gefordert - Video offenbar kurz vor Selbstmord der mutmaßlichen Attentäter aufgenommen

Madrid - Spanische Ermittler haben in Madrid ein Videoband mit einem Ultimatum an die spanische Regierung entdeckt, die spanischen Truppen innerhalb von einer Woche aus dem Irak und Afghanistan abzuziehen. Das Band wurde in der Wohnung im Madrider Vorort Leganes gefunden, wo sich mutmaßliche Attentäter vorigen Samstag in die Luft gesprengt hatten, wie am Donnerstag aus dem spanischen Innenministerium verlautete.

Auf dem Video seien drei arabisch gekleidete und bewaffnete Männer zu sehen, die eine Botschaft auf Arabisch verlesen. "Die Brigaden El Mufti und Ansar el Kaida haben den Entschluss gefasst, den Weg des heiligen Krieges zu verfolgen", heißt es demnach auf dem Band laut einer vom Innenministerium veröffentlichten spanischen Übersetzung. Die spanischen Truppen sollten sich "sofort" aus "den Gebieten der Moslems" zurückziehen.

Polizeieinsatz in Wohnung von Islamisten zu sehen

Nach spanischen Presseberichten ist das Video kurz vor dem kollektiven Selbstmord der Verdächtigen aufgenommen worden. Wie der Radiosender Cadena Ser am Freitag berichtete, zeigen die Aufnahmen noch den Beginn der Razzia gegen die Verdächtigen in dem Madrider Vorort Leganes. Zu sehen sei, wie die Polizei die Eingangstür sprengt. Wenige Minuten nach der Stürmung der Wohnung sprengten sich die mutmaßlichen Terroristen selbst in die Luft, offenbar, um sich einer Festnahme zu entziehen.

Verdächtige inzwischen identifiziert

Nach Informationen der Zeitung "El Pais" wurden die drei Männer inzwischen von den Ermittlern identifiziert: Dabei handle es sich um den mutmaßlichen Drahtzieher des Terrorkommandos, den Tunesier Serhane Ben Abdelmajid Fakhet, um die Nummer Zwei der Zelle, den Marokkaner Jamal Ahmidan, sowie um seinen Landsmann Abdennabi Kounja. Fakhet selbst habe die Botschaft verlesen.

Die Zeitung "ABC" berichtete, der Tunesier sei auch der Autor des Drohbriefs gewesen, der wenige Stunden vor dem Selbstmord der mutmaßlichen Attentäter am vergangenen Samstag in ihrer Redaktion eingegangen war. Darin drohte eine Gruppe namens "Abu Dushana el Afghani, Gruppe Ansar El Kaida Europa" mit einem weiteren Blutbad, sollte Spanien seine Truppen nicht abziehen. Bei den Anschlägen am 11. März in Madrid wurden 191 Menschen getötet und mehr als 1900 verletzt.

Marokkaner mit Deutschland-Verbindung erneut festgenommen

Indes ist ein Marokkaner, der zeitweise in Deutschland gewohnt hat, im Zusammenhang mit den Anschlägen bereits zum dritten Mal festgenommen worden. Gegen den 28-Jährigen seien neue Indizien aufgetaucht, berichtete der spanische Rundfunk am Freitag. Die erneute Festnahme sei am Vortag von dem zuständigen Untersuchungsrichter angeordnet worden, nachdem ein am Mittwoch gefasster Landsmann den Namen des Marokkaners in seiner Vernehmung erwähnt habe.

Die Wohnung des 28-Jährigen in Darmstadt war vor zwei Wochen durchsucht worden. In Spanien war er bereits zwei Mal wieder auf freien Fuß gesetzt worden, weil es keine Beweise gegen ihn gab. Er musste sich aber täglich bei der Polizei melden. Der Marokkaner soll in Madrid mit einem Syrer zusammengewohnt haben, der als einer der Bombenleger des 11. März verdächtigt wird. (APA/dpa)

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    In der Wohnung der mutmaßlichen Attentäter von Madrid wurde ein Video mit einem Ultimatum an die spanische Regierung gefunden, die spanischen Truppen innerhalb von einer Woche aus dem Irak und Afghanistan abzuziehen.

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