US-Marine: "Diese Leute sind zu allem entschlossen"

11. April 2004, 14:43
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Mühsamer Vorstoß der Marines in Falluja - Die Guerillakämpfer bewegen sich in kleinen Gruppen und feuern aus Fabriken, Häusern und sogar Moscheen

Falluja - In Falluja, der sunnitischen Stadt westlich von Bagdad, wo die US-Marines den erbitterten Widerstand, auf den sie treffen, schon mit dem Vietnamkrieg vergleichen, sind die Straßen mit Leichen übersät. Haus um Haus rückten die amerikanischen Soldaten am Donnerstag vor, unter dem Feuer von Heckenschützen, Granatwerfern und Antipanzerraketen. Ein Armeearzt erklärt, der Widerstand sei noch heftiger als während der Irakinvasion im vergangenen Frühjahr.

"Letztes Jahr haben wir ein Ziel ausgemacht, es getroffen und sind dann schlafen gegangen", sagt Percy Davila, der Arzt. "Das hier ist ein wirklicher Krieg." Ein 40-jähriger Mann liegt mitten auf der Straße, getötet mit einem Schuss in den Nacken, nachdem er zuvor eine Panzerrakete auf die US-Soldaten abfeuerte.

Innerhalb von zwei Tagen sind die Marines gerade einmal zwei Kilometer weit in ein Industriegebiet am Stadtrand von Falluja vorgestoßen, von dem sie dachten, dass es längst verlassen sei. Die Guerillakämpfer aber bewegen sich in kleinen Gruppen zu viert oder fünft und feuern aus Fabriken, Häusern und sogar Moscheen. "Es ist wie Hue in Vietnam", sagt Brennan Byrne, ein Offizier, und erinnert an die alte Kaiserstadt, wo sich die amerikanischen Truppen 1968 blutige Straßenkämpfe mit den Kommunisten geliefert hatten.

Betende Soldaten

"Diese Leute sind zu allem entschlossen. Ein einzelner Mann kann eine ganze Gruppe von Soldaten aufhalten", sagt Chris Chown, ein anderer Offizier der Marineinfanteristen. Er fürchtet, dass die Iraker den Kampf um die öffentliche Gunst gewinnen, wenn sich die Gefechte noch weiter hinziehen. Unter einer Brücke versuchen Ärzte das Leben eines verletzten Marines zu retten. Sein Blut hat große Flecken auf der Straße hinterlassen. Doch der Soldat stirbt, und zehn seiner Kameraden knien nieder zum Gebet.

Unweit davon liegen zwei Gefangene ausgestreckt am Boden, die Hände gefesselt und über den Kopf einen braunen Stoffsack gezogen. (Ned Paker/AFP/DER STANDARD, Printausgabe, 9.4.2004)

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    Falluja: Demonstrierende Iraker spiegeln sich in den Brillen eines US-Soldaten

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