Prachner verlässt Kärntner Straße

14. April 2004, 11:00
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Traditionsbuchhändler vermisst sein altes Publikum - Noch vor dem Sommer soll der Traditionsstandort den Eigentümer wechseln

Wien - Noch vor dem Sommer soll die Buchhandlung Prachner auf der Wiener Kärntner Straße verkauft werden, bestätigte Eigentümer und Geschäftsführer Andreas Tarbuk im Gespräch mit der APA. Damit trennt sich die Georg Prachner Buchhandelsgruppe, zu der auch vier Godai Buchhandlungen, die beiden British Bookshops sowie die prachner & godai Verlagsauslieferung zählen, von ihrem ältesten und traditionsreichsten Standort.

Der Grund für den Verkauf ist laut Tarbuk weniger eine schlechte Ertragslage seiner Buchhandeslgruppe als vielmehr die Entwicklung, die die Kärntner Straße in den vergangenen Jahren genommen habe: viele Geschäfte seien großen Billigmodeketten gewichen, wodurch sich das Publikum stark verändert habe. Der "Ursprungsstandort" der Georg Prachner Buchhandels GmbH, der auf das Jahr 1931 zurück geht, habe einst einen Namen als Fachbuchhandlung für Künstler, Schauspieler und Architekten gehabt und von einem hohen Stammkundenanteil gelebt, erklärte Tarbuk.

Veränderungen beim Publikum

Nicht zuletzt auf Grund dieser massiven Veränderungen beim Publikum haben sich die Umsätze am Standort Kärntner Straße in den vergangenen Jahren nach unten entwickelt, bestätigte der Autohandelshaus-Spross. Als erste Reaktion habe man sich daher entschlossen, das Sortiment zu verändern und das Fachpublikum eher an einem neuen Standort im Museumsquartier zu bedienen. "Das war die richtige Entscheidung, zumal wir in der Fachbuchhandlung im Museumsquartier mehr Fachbücher verkaufen als vorher", so Tarbuk. An der Ertragslage in der Kärntner Straße habe sich jedoch nicht wesentlich etwas geändert.

Als dann im Herbst des Vorjahres Angebote von deutschen Modeketten für den Standort einlangten, zeigte sich Tarbuk "gesprächsbereit, wenn die Summe stimmt". Derzeit laufen Verhandlungen mit mehreren Interessenten, auch aus der Branche. "Abgeschlossen ist aber noch nichts", betonte Andreas Tarbuk, der 1997 von seinem Onkel Georg die Prachner BuchhandelsgmbH übernommen hat. Der bereits kolportierte Kaufpreis von 2 Mio. Euro gehe in die richtige Richtung, so Tarbuk, der "Präferenz" zeigte, seinen Gründungsstandort in der Branche weiter zu verkaufen.

Käufer noch unbekannt

Wer der Käufer sein könnte - zuletzt wurde Wilhelm Sotsas, Eigentümer der Buchhandlung Frick am Graben, als Hauptinteressent genannt - wollte Tarbuk nicht verraten, nur soviel: "Der Käufer ist unter den zehn größten Buchhändlern Österreichs".

Als Strategie für die Zukunft will sich Tarbuk weiter auf den Spezialbuchhandel konzentrieren, auf regional stark verankerte Buchhandlungen - wie schon derzeit die Standorte in der Porzellangasse oder in Hietzing - setzen und neue Buchhandlungen in Einkaufszentren eröffnen. Für das British Bookshop könnte sich der Buchhandelsexperte durchaus noch einen dritten Standort, möglicherweise auch in Graz, vorstellen.

Gute Ertragslage

Mit der Ertragslage kämpfe die Prachner Buchhandlesgruppe jedenfalls nicht, betonte Tarbuk. Einem Umsatz von (hochgerechnet) 11,3 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2003 (per Ende Mai) stehen Verbindlichkeiten von 6,5 Mio. Euro gegenüber. Die Gruppe zählt derzeit 10 Standorte und beschäftigt 106 Mitarbeiter. Das Eigenkapital sei unter Einbeziehung eines Gesellschafterdarlehens positiv, hieß es.

Durch den Verkauf der Buchhandlung auf der Kärntner Straße würden 12 Mitarbeiter abgebaut, die jedoch überwiegend durch Nicht-Nachbesetzung von Pensionierungen, Karenzierungen und Selbstkündigungen ausgeglichen werden sollen, so Tarbuk.

Freilich ist die Wachablöse bei der Buchhandlung Prachner auf der Kärntner Straße kein Einzelfall. Auch das Kindermodenhaus Dohnal oder die beiden Gerstenberger-Drogerien sind laut Medienberichten nicht abgeneigt, für Ablösen in Millionenhöhe aus den Toplagen in den Wiener City abziehen zu wollen.(APA)

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Prachner

  • Der Grund für den Verkauf ist laut Tarbuk weniger eine schlechte
Ertragslage seiner Buchhandeslgruppe als vielmehr die Entwicklung,
die die Kärntner Straße in den vergangenen Jahren genommen hat
    foto: derstandard.at

    Der Grund für den Verkauf ist laut Tarbuk weniger eine schlechte Ertragslage seiner Buchhandeslgruppe als vielmehr die Entwicklung, die die Kärntner Straße in den vergangenen Jahren genommen hat

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