Verknappung fossiler Energieträger als Chance

16. April 2004, 14:01
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Chorherr: Höhepunkt der weltweiten Förderung bereits überschritten - Plan-B für die Zeit danach nötig

Wien - Einen Ölschock mit einer Verdreifachung der Preise wie vor gut 20 Jahren prognostizierte am heutigen Donnerstag der Klubobmann der Wiener Grünen, Christoph Chorherr, in einem Pressegespräch. Möglich wäre dieser noch in diesem Jahrzehnt. Im Unterschied zu den 80-er Jahren sei die Preissteigerung allerdings dauerhaft und unumkehrbar, weshalb der Grünen-Mandatar klare Maßnahmen im Energie sparenden, technologischen Bereich fordert, um für den "Tag X" gerüstet zu sein.

Seit einem halben Jahr sind die fossilen Energieträger das intensive Beschäftigungsfeld Chorherrs, der sich in dieser Zeit quasi vom Saulus zum Paulus wandelte: Auch er habe lange nicht an ein unmittelbares Abnehmen der Reserven geglaubt. Nun allerdings sei er überzeugt davon, dass der Höhepunkt der weltweiten Öl- und Erdgasförderung bereits überschritten ist.

Gesteigerter Energiebedarf in China

Vor allem durch einen gesteigerten Energiebedarf in aufstrebenden Volkswirtschaften wie Indien und China auf der einen Seite und durch ein Abnehmen der vorhandenen Reserven auf der anderen, sei eine Verknappung des Öls unvermeidlich, so Chorherr. So habe der Ölverbrauch in Europa zwischen 1965 und 2002 um 164 Prozent zugelegt, in China hingegen um 1.010 Prozent.

Dabei zögen die alten Argumente der Befürworter nicht mehr, dass immer neue Reserven gefunden würden: Bereits seit 1980 sei die Förderung höher als die Menge der neu erschlossenen Felder. "Allein für China müsste ein neues Saudiarabien gefunden werden", skizzierte Chorherr die Situation.

"Keine Katastrophe, sondern eine Chance"

"Das ist keine Katastrophe, sondern eine Chance", so ein optimistischer Grünen-Chef. Österreich müsse ein Geschäft daraus machen, die nach-fossile Zeit technologisch zu nutzen. Noch seien drei Viertel der österreichischen Energieträger fossil: "Da müssen wir ordentlich anzahn", stellte Chorherr klar.

"2006 bis 2010, wenn wir regieren - falls wir das wollen - wird uns das voll treffen", sagte der Grüne. Spätestens dann müsse der so genannte Plan-B erstellt werden, um vorbereitet zu sein, wenn es im Laufe des Jahrzehnts zu einer Verdreifachung des Ölpreises komme.

Dazu gehörten beispielsweise die klare Fokussierung auf die Passivhaus-Bauweise, die ohne externe Energie auskomme, die Förderung erneuerbarer Energien und die "Staumaut", die auch den Individualverkehr dort belange, wo Probleme auftauchten, was in Wien beispielsweise die Tangente sei. Infrastrukturminister Hubert Gorbach (F) sei mit seiner Idee der obligatorischen Lkw-Maut zu unterstützen.(APA)

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