Alkohol als unterschätztes Gesundheitsrisiko

14. April 2004, 11:31
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Laut WHO global gesehen fast ebenso schädlich wie Tabak

London/Genf - Alkohol ist global gesehen laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) fast ebenso schädlich wie Tabak. Bis zu 20 Prozent aller Todesfälle gingen in manchen Ländern auf das Konto des legalen Rauschgifts, schreibt das britische Wissenschaftsjournal "Nature" vom Donnerstag und beruft sich auf einen im Druck befindlichen WHO-Bericht. Das weltweite Gesundheitsrisiko durch Alkohol werde drastisch unterschätzt.

Während der Tabakkonsum jedoch massiv bekämpft werde, würden an Alkohol heutzutage zum Teil geringere Maßstäbe angelegt als an Lebensmittel, kritisiert der Mitautor der WHO-Studie, Robin Room von der Universität Stockholm, in "Nature". Erstmals seit 20 Jahren soll nun die WHO-Vollversammlung im Mai in Genf eine Resolution beraten, die dringenden Handlungsbedarf gegen Alkohol-Konsum vorsieht.

Wo das Problem am größten ist

Die größten Alkoholprobleme gibt es der Studie zufolge in den ehemals sozialistischen Ländern Osteuropas und der früheren Sowjetunion sowie in Lateinamerika, wo acht bis 20 Prozent aller Todesfälle darauf zurückzuführen sind. Auf dem zweiten Platz liegen die reichen Industrieländer. In Europa - mit Ausnahme Osteuropas - und Nordamerika ist das Trinken demnach für fünf bis acht Prozent aller Todesfälle verantwortlich. Vor allem exzessive Besäufnisse unter Jugendlichen bereiteten Gesundheitsexperten hier Sorgen. Am geringsten sind arabische Länder betroffen.

Gesundheitsexperten mahnen angesichts der Zahlen "Nature" zufolge zu drastischen Maßnahmen. Vor allem über den Preis lasse sich der Alkoholkonsum kontrollieren, habe der britische Suchtforscher Michael Marmot vom University College London herausgefunden. Solche Maßnahmen seien vermutlich allerdings unpopulär, wofür unter anderem die Medien verantwortlich seien, wie Room dem Journal sagte: "Die Presse lebt in einer sehr "feuchten" Welt - ebenso wie die Politiker."(APA/dpa)

WHO

Vgl. auch "Nature", (Bd. 428, S. 598)
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    Auch eine Folge von zuviel Alkohol-"Genuss"

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