Paris wirft Ruanda "wahrheitswidrige Vorwürfe" zum Völkermord vor

9. April 2004, 19:15
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Diplomatischer Eklat bei Gedenkfeiern zum 10. Jahrestag

Paris - Der neue Pariser Außenminister Michel Barnier hat der Regierung Ruandas "wahrheitswidrige Vorwürfe" zur französischen Verstrickung in den Völkermord vor zehn Jahren vorgeworfen. Um sich in "dieser Woche der Trauer und des Gedenkens" nicht auf eine "Polemik" einzulassen, habe sich sein Staatssekretär Renaud Muselier "in Würde" von den Gedenkfeiern in der ruandischen Hauptstadt Kigali zurückgezogen, erklärte Barnier am Donnerstag. Nach offenen Vorwürfen des ruandischen Präsidenten Paul Kagame gegen Frankreich hatte Muselier seinen Besuch abgebrochen.

"Den Mördern Befehle erteilt"

Der Streit hatte sich in den vergangenen Wochen hochgeschaukelt, nachdem Kagame Paris mit der Aussage angeprangert hatte, Frankreich habe "den Mördern Befehle erteilt" und Waffen geliefert. Das hatte bereits Barniers Vorgänger Dominique de Villepin vehement zurückgewiesen. "Wir werden die Lage grundlegend überprüfen", sagte Barnier. Am Mittwoch prangerte Kagame bei der zentralen Gedenkfeier in Kigali die "Dreistigkeit" Frankreichs an, an den Zeremonien teilzunehmen, ohne sich für seine Rolle bei den Massakern von 1994 zu entschuldigen.

Die Beziehungen zwischen Frankreich und Kagames Regierung sind seit langem gespannt. Im Jänner machte der Pariser Ermittlungsrichter Jean-Louis Bruguiere Kagame mitverantwortlich für die Ermordung seines Vorgängers Juvenal Habyarimana beim Abschuss des Präsidentenflugzeuges 1994. Das Attentat gilt als Auslöser des Völkermordes, bei dem binnen hundert Tagen mindestens 800.000 Tutsis und gemäßigte Hutus getötet wurden. (APA)

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