Ex-Präsidentenberater: "Mit den Instrumenten eines Texas-Cowboys"

13. April 2004, 11:02
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Der Republikaner Clyde Prestowitz kritisiert George W. Bush scharf

Clyde Prestowitz ist Republikaner "und ich bleibe es wohl mein Leben lang". Das hält den früheren Handelsbeauftragten Reagans und Berater konservativer US-Regierungen nicht davon ab, mit der Bush-Administration hart ins Gericht zu gehen. "Die erste Bush-Regierung war unilateral und selbstgerecht", sagt Prestowitz im Interview mit dem STANDARD. In Anspielung auf Bushs Herkunft meint er: "Seine Instrumente sind die eines Texas-Cowboys."

Prestowitz listet auf: Das Budgetdefizit sei unter Bush ausgeweitet worden, gleichzeitig habe es unter dem Eindruck der Attentate vom 11. September 2001 die größte Einschränkung der individuellen Rechte seit dem Zweiten Weltkrieg gegeben. Sein Fazit: "Das ist kein Konservatismus, sondern eine Mischung aus einer Art Romantik, Abenteuerlust und Radikalismus, verpackt in einer von Patriotismus geprägten Rhetorik."

Prestowitz kritische Bilanz über die Politik der USA wurde vom britischen Economist in die Liste der besten Bücher 2003 aufgenommen und ist soeben unter dem Titel "Schurkenstaat. Wohin steuert Amerika?" auf Deutsch erschienen. Der Autor stellte das Buch in Berlin vor.

Der nunmehrige Präsident des Economic Strategy Institute in Washington schätzt Bushs Chancen, sich doch gegen den demokratischen Herausforderer John Kerry bei der Präsidentschaftswahl im November durchzusetzen, auf 55 zu 45 Prozent. "Setzen Sie bei einer Wette auf Bush. Denn er hat mehr Geld, und er hat die Macht." Aber: "Wenn Sie mich vor zwei Monaten gefragt hätten, ob Kerry eine Chance hat, hätte ich Nein gesagt. Heute sage ich Ja. Er hat zumindest eine Chance."

Wenn Bush wiedergewählt werden sollte, werde sich seine zweite Amtszeit gravierend von der ersten unterscheiden, meint Prestowitz: "Er muss seine Politik gegenüber dem Irak, dem Iran und Syrien ändern. Ein weiterer Angriff wie im Irak wäre nicht möglich."

Eine zweite Bush-Administration würde sehr viel weniger unilateralistisch vorgehen, mehr Rücksicht auf die Europäer nehmen, die UN einbinden und weniger harsch als die erste Bush-Regierung auftreten, so Prestowitz. Die neokonservativen Kreise würden an Einfluss verlieren. Die Ereignisse im Irak hätten ihre Wirkung nicht verfehlt: "Bush wird sich nicht entschuldigen. Aber er weiß, dass es keine Massenvernichtungswaffen im Irak gibt." Nur in einem Punkt glaubt Prestowitz nicht an eine Veränderung: Die USA werden sich nicht wieder aktiver in die Vermittlung im Nahen Osten einschalten.

Spanien - der Anschlag und die Abwahl der Regierung - habe "einen Realitätsschock in Washington bewirkt", meint Prestowitz, fügt aber gleich hinzu: Er hoffe, dass ein Abzug spanischer Truppen nicht erfolge. "Das wäre eine Ermutigung für Terroristen, das anderswo zu wiederholen und Wahlen zu beeinflussen."

Prestowitz ist auch zuversichtlich, dass das Verhältnis der USA zu den europäischen Regierungen - insbesondere den Gegnern eines Irakkriegs - wieder verbessert werden kann: "Beide Seiten haben gelernt: Wenn sie einander auch nicht lieben, sie brauchen einander." Gleichzeitig appelliert er an die Europäer, sich stärker zu engagieren, damit eine ausgeglichenere Partnerschaft entstehen könne: "Eine Lastenteilung ist notwendig. Sonst können sie nicht von den USA die Abkehr vom Unilateralismus einfordern." (DER STANDARD, Printausgabe, 8.4.2004)

Von
Alexandra Föderl-Schmid aus Berlin
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    In Anspielung auf Bushs Herkunft meint Prestowitz: "Seine Instrumente sind die eines Texas-Cowboys."

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