Liebe in Zeiten des Familienkrieges

7. April 2004, 19:18
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Über Theater in Afrika weiß man gerade einmal, dass sich Bestsellerautor Henning Mankell als Intendant in Maputo engagiert. Jetzt aber wird die mosambikanische Gruppe Hôpangalatana mit "Romeu e Julieta" zur Festivaleröffnung in Krems gastieren. Eine Europa-Premiere.

Krems - Die Entstehungsgeschichte der Eröffnungspremiere des Donaufestivals, Romeu e Julieta, könnte selbst den Stoff abgeben für ein Lehrstück - ein Lehrstück mit Happyend über die konsequente Verwirklichung scheinbar utopischer Träume.

Vor zwei Jahren fasste die österreichische Schauspielerin und Regisseurin Renate Jett den Plan, in Afrika Theater zu machen. Allein: Vom afrikanischen Theater wusste sie zu diesem Zeitpunkt wenig mehr, als dass der schwedische Krimiautor Henning Mankell in Mosambik als Intendant einer dortigen Bühne tätig ist.

Auch ihre Recherche gestaltete sie auf die denkbar einfachste Weise: Im Internet fahndete sie nach der Mankell-Bühne - und landete knapp daneben: bei der freien Theatergruppe Hôpangalatana, die wie Mankells Truppe in Mosambiks Hauptstadt Maputu beheimatet ist.

Schnell war - per E-Mail-Korrespondenz - Einigkeit erzielt über die interkontinentale Zusammenarbeit, selbst deren Inhalt war wenige Wochen darauf entschieden: Renate Jett schlug Shakespeare vor, und Hôpangalatana entschied sich sofort für Romeo und Julia, auf gut Portugiesisch also: Romeu e Julieta.

Im Sommer 2003 reiste Renate Jett nach Mosambik, begann mit der Auswahl der Darsteller für Mosambiks ersten Shakespeare. Geprobt wurde im Elektrizitätswerk der Hauptstadt. Dort nämlich leistete man sich einen Theaterraum, in welchem eine hauseigene Truppe den Menschen aus den Suburbs die Nachteile des Kabelklauens nahe bringt - staatstragende Aufklärung für eine wenig alphabetisierte Gesellschaft.


Sozial engagiert

Aufklärung humanerer Art ist auch die Aufgabe, der sich die Künstlervereinigung Hôpangalatana selbst verschrieben hat. Neben Texten mosambikanischer Autoren wie Mia Couto oder Ungulane Ba Khossa erarbeitet die Künstlertruppe regelmäßig pädagogische Stücke über die Vorbeugung von Krankheiten wie Aids oder Malaria oder zur Unterstützung für den gefährdeten Nationalpark Gorongosa, mit denen sie durch die Dörfer der Insel tourt. - Oder die sie in Mankells bekanntem Teatro Avenida zur Aufführung bringt - womit der Kreis zu Renate Jetts Recherchebeginn sich von selbst zu schließen beginnt.

Der Shakespeare-Klassiker, in dem die Liebe eines jungen Paares - zu spät bekanntlich, aber doch - die erbitterte sinnlose Feindschaft der Familien Capulet und Montague augenfällig infrage stellt, fällt in Mosambik auf Bürgerkriegsboden.

Die ehemalige portugiesische Kolonie (die Aufführung ist in portugiesischer Sprache) war bis zum Kriegsende 1992 vom Kampf der aus dem Unabhängigkeitskrieg (Befreiung 1975) hervorgegangenen Befreiungsbewegung "Frente Libertação de Moçambique" gegen die Terrororganisation "Resistencia Nacional Moçambicana" geprägt.
Das Shakespearesche Verona nach Maputo zu verfrachten ist deshalb nicht weit hergeholt: "Seht zwei Familien hier von gleichem Stand -/ Verona sei der Ort für unser Stück, wo alter Hass setzt neue Wut in Brand, wo Bürgerkrieg ist höchstes Bürgerglück." Das Festival holt die Produktion - Europapremiere ist am 16. April in der Kremser Voest-Werkhalle - aus Anlass des zehnjährigen offiziellen Endes der Apartheid. (cia, afze / DER STANDARD, Printausgabe, 8.4.2004)

Einladung

Gemeinsam mit dem Steigenberger Avance Hotel lädt das Festival an zwei Vorstellungs- Terminen zu einem Brunch:

Termine sind die beiden Sonntage am 18. und 25. April; Beginn des Brunches ist um 12 Uhr, jener der Vorstellung um 15 Uhr (der Preis pro Person beträgt 39 Euro).

Reservierung unter: (02732) 710 11 oder über
www.krems.
steigenberger.at

  • Der Kinder Blut soll den verfeindeten Eltern ihren Krieg vergällen: Die zwei Protagonisten des insgesamt 21-köpfigen mosambikanischen Ensembles, Romeo und Julia, in der Sterbeszene.
    foto: donaufestival

    Der Kinder Blut soll den verfeindeten Eltern ihren Krieg vergällen: Die zwei Protagonisten des insgesamt 21-köpfigen mosambikanischen Ensembles, Romeo und Julia, in der Sterbeszene.

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