Familien von ermordeten belgischen Blauhelmen besuchen Ruanda

9. April 2004, 19:15
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Ein Bub wurde einen Monat nach Beginn des Völkermords geboren

Kigali - Zum Gedenken an zehn belgische Blauhelmsoldaten, die vor zehn Jahren zu Beginn des Völkermords in Ruanda von ruandischen Soldaten ermordet worden waren, haben sich am Dienstag deren Familien am Tatort in der Hauptstadt Kigali versammelt. Nachdenklich betrachteten sie die von Belgien errichteten zehn Stelen am Sitz des ruandischen Generalstabs. Die Gedenkstätte sollte am Mittwoch im Rahmen der Gedenkfeiern zum zehnten Jahrestag des Völkermords feierlich eingeweiht werden.

"Die waren sehr mutig"

Unter den Angehörigen waren auch mehrere Kinder, darunter der noch nicht einmal zehnjährige Pierre. Er wurde erst einen Monat nach dem Tod seines Vaters geboren, und es war das erste Mal, dass er den ostafrikanischen Staat besuchte. Sichtlich bewegt stand er vor einer der Stelen. "Das muss schrecklich sein, von Maschinengewehren erschossen zu werden", murmelte er mit zitternder Stimme. Dann fügte er noch hinzu: "Die waren sehr mutig. Sie wollten die Hutus und Tutsis aussöhnen, weil die gegeneinander kämpften". Wenige Meter von den Stelen befindet sich noch das von Kugeln durchsiebte Büro, in dem die belgischen UN-Friedenssoldaten getötet wurden.

Sie sollten die damalige ruandesische Ministerpräsidentin Agathe Uwilingiyimana, eine gemäßigte Hutu-Politikerin, schützen. Am Morgen des 7. April 1994 wurden sie gemeinsam mit der Regierungschefin von radikalen Hutu-Soldaten gefangen genommen und kurz darauf - ebenso wie Uwilingiyimana - ermordet. Die UNO nahm ihren Tod zum Anlass, einen Großteil der Blauhelme aus Ruanda abzuziehen, statt sie - wie von deren Führung gefordert - weiter aufzustocken, um dem grausamen Morden Einhalt zu gebieten. (APA)

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