Gerichtsgeschichte: Hörner, Ehre, Mord

7. April 2004, 20:17
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"Schreien Sie nicht so", schreit der Richter zurück, "Sie sind hier der Angeklagte, nicht der Ankläger!"

Man kann sich vorstellen, wie Saban S. (43) ist, wenn er "wie von Sinnen" ist. Im Mordprozess ist er manchmal nicht weit davon entfernt. "Schreien Sie nicht so", schreit der Richter einmal zurück, "Sie sind hier der Angeklagte, nicht der Ankläger!"

"Wie von Sinnen" soll er in 15 Attacken auf den jungen Mann eingestochen haben, den er in seinem einstigen Ehebett aufgespürt hatte. "Wirklich fürchterliche Stiche", gibt der Anwalt zu. "Ich konnte selbst nicht glauben, wo ich ihn überall erwischt habe", bemerkt der Angeklagte.

1983 kam er nach Österreich. 1988 heiratete er Cenan, seine türkische Landsfrau. Nach zwölf Jahren war die Ehe an den vielen Gewaltexzessen Sabans zerbrochen, im September 2001 wurde sie geschieden. Die Söhne blieben bei der Mutter. Der Mann musste ausziehen. Das hat er bis heute nicht begriffen.

"Ich wollte, dass sie anständig lebt."

"Ich habe sie geliebt", sagt er: "Aber sie hat die Familie gegen den Chatroom im Internet ausgetauscht." Auch nach der Scheidung verbot er Cenan strikt, sich einen neuen Mann zu suchen. "Ich wollte, dass sie anständig lebt." In der Wohnung tauchte er nach Belieben auf. Einmal drückte er die Tür ein, dann wieder ließ er sich den Schlüssel nachmachen.

Am 23. Jänner 2003 musste Cenan zeitig in die Arbeit. Gleich danach, um halb sechs Uhr früh, betrat der Exmann das Haus. "Ich wollte ein bisschen bei den Kindern sitzen", sagt er. Mehr noch interessierte ihn sein früheres Schlafzimmer. "Da lag ein fremder Mann. Halbnackt. In meinem Bett! Dort darf er nicht liegen!", schreit er. An die tödlichen Messerstiche kann er sich nicht mehr erinnern: "Da war ich bewusstlos."

Wenig später rief er seine Exfrau an. Die Worte blieben auf der Mobilbox gespeichert. Er sagte: "Ich habe ihn getötet. Höre auf mit der Ehrenlosigkeit! Du sorgst dafür, dass deine Kinder dich Hure nennen! Bedecke deinen Kopf, bedecke deinen Arsch! Möge Allah mit dir sein." Freunden gegenüber verriet er: "Ich habe die Hörner, die man mir aufgesetzt hat, gebrochen. Ich habe meine Ehre wieder hergestellt."

Der Geschworenensenat verurteilt ihn wegen Mordes zu lebenslanger Haft. "Er ist meilenweit davon entfernt, die Tat zu bereuen", bemerkt der Richter.

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