Schweinebandwurm-Eier schlucken und gesund werden

7. April 2004, 19:45
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Hamburger Firma will Radikal-Cocktail gegen Darmentzündungen auf den Markt bringen

London/Hamburg - Ein Cocktail mit tausenden Eiern des Schweinebandwurms soll künftig gegen bisher unheilbare Darmentzündungen helfen. Das Gebräu habe in einer US-Studie die Leiden von Morbus-Crohn- und Colitis-ulcerosa-Patienten gelindert, berichtet das britische Wissenschaftsmagazin "New Scientist". Die Hamburger Firma BioCure will den Wurm-Cocktail voraussichtlich im Mai in Europa auf den Markt bringen - eine entsprechende europäische Zulassung vorausgesetzt.

Testlauf

Chronische Darmentzündungen entstehen nach Meinung des Magen-Darm-Spezialisten Joel Weinstock von der Universität von Iowa, weil das Immunsystem durch die gestiegene Hygiene seltener mit Parasiten konfrontiert ist. Sein Team hatte den Wurmcocktail je 100 Freiwilligen mit den chronischen Darmentzündungen Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa verabreicht. Daraufhin berichteten rund die Hälfte der Colitis-ulcerosa- und fast drei Viertel der Morbus-Crohn- Patienten von Besserungen der Symptome.

Das Wurmeiergebräu muss etwa zwei Mal monatlich geschluckt werden, wie der "New Scientist" schreibt. Der normalerweise in Schweinen lebende Peitschenwurm Trichuris suis sei ausgewählt worden, weil er in Menschen nicht sehr lange überlebe.

Ausgangshypothese

Weinstock vermutet, dass das menschliche Immunsystem wegen der selteneren Infektionen durch Parasiten überaktiv reagiert und so die Darmentzündungen auslöst. Dem liege die Beobachtung zu Grunde, dass die Häufigkeit entzündlicher Darmerkrankungen in den westlichen Industrieländern mit der Verbesserung der Hygiene in den vergangenen 50 Jahren drastisch angestiegen ist. In Entwicklungsländern, wo Infektionen mit Parasiten wie Bandwürmern noch häufig vorkämen, seien die Krankheiten dagegen selten, schreibt die Zeitschrift.

Weinstock, der die Wurmeier vor fünf Jahren bereits in einer Pilotstudie erfolgreich getestet habe, werde seine neuen Studienergebnisse im Mai bei einem Fachkongress in New Orleans präsentieren.(APA/dpa)

Vgl. "New Scientist", (Nr. 2442, S. 8)
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