Gedenken an Völkermord vor zehn Jahren

7. April 2004, 19:03
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Binnen drei Monaten wurden über 800.000 Menschen getötet - Präsidentenattentat gilt als Auslöser für Genozid

Wien/Kigali - Mit einer Reihe von Veranstaltungen gedenkt Ruanda am Mittwoch des Völkermords vor zehn Jahren. An der Hauptgedenkfeier unter Leitung von Präsident Paul Kagame im Stadion der Hauptstadt Kigali nehmen Regierungsvertreter aus aller Welt teil. Für Unmut sorgte die Entscheidung der USA, Frankreichs und der UNO, keine hochrangigen Vertreter zu entsenden.

Das grausame Morden an Tutsis und moderaten Hutus begann am 7. April 1994 und endete hundert Tage später mit der Machtübernahme der Tutsi-Rebellen unter Kagame. Mindestens 800.000 Menschen starben. Die UNO, die 1994 mit der Friedensmission MINUAR in Ruanda aktiv war, vermochte den Völkermord nicht zu verhindern. In Genf wollte UN-Generalsekretär Kofi Annan einen neuen Plan vorstellen, um ein ähnliches Versagen in Zukunft zu verhindern. Für Mittag rief die UNO zu einer Schweigeminute auf.

Hutu und Tutsi

Am Dienstag jährte sich zum zehnten Mal der Beginn des Völkermordes: Am 6. April 1994 wurde das Flugzeug mit den Präsidenten Ruandas und Burundis beim Landeanflug auf Kigali von einer Rakete abgeschossen. Das bisher nicht aufgeklärte Attentat gilt als Auslöser für den drei Monate dauernden Völkermord, dem an die eine Million Menschen zum Opfer fielen.

Schon im Laufe der Geschichte Ruandas hatte es Spannungen zwischen der Volksgruppe der Hutu und der Minderheit der Tutsi gegeben, die 1994 in Völkermord und Massenflucht der Tutsi und moderater Hutu eskalierten. In nur 100 Tagen wurden nach Schätzungen des Internationalen Ruanda-Tribunals rund 800.000 Männer, Frauen und Kinder durch Hutu-Milizen, Armee und Präsidentengarde bestialisch ermordet. Nach Angaben von Menschenrechtlern und Helfern war der Völkermord geplant. Ziel der Gräueltaten sei die Ausrottung der Tutsi gewesen, die etwa elf Prozent der ruandesischen Bevölkerung ausmachten.

Umstrittener UN-Abzug

In Folge des Bürgerkrieges flohen weit mehr als zwei Millionen Ruandesen, mehrheitlich Hutus, nach Burundi, Tansania, Uganda und Kongo, dem damaligen Zaire. Die UN zog einen Großteil ihrer in Ruanda stationierten Truppen kurz nach dem Ausbruch des Konflikts ab. Zuvor waren zehn belgische Blauhelm-Soldaten in Kigali ermordet worden. Frankreich entsandte im Juni Truppen nach Ruanda, die im Südwesten eine Schutzzone schufen.

Im Juli nahmen die von der Tutsi-Minderheit dominierten Rebellen der Patriotischen Front Ruandas (RPF) die Hauptstadt Kigali ein und setzten eine neue Regierung ein. Der Hutu Pasteur Bizimungu wurde Staatspräsident, Rebellenführer Paul Kagame Vizepräsident. Kagame, heute Präsident, wird von einem französischen Untersuchungsrichter verdächtigt, den Abschuss des Präsidenten-Flugzeuges in Auftrag gegeben zu haben.

UN-Strafgerichtshof

Seit dem Ende des Bürgerkriegs befasst sich ein von den Vereinten Nationen (UN) eingerichteter Strafgerichtshof mit dem Verbrechen. Bis spätestens 2008 sollen die Untersuchungen abgeschlossen sein. (APA/dpa/red)

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    Überreste der schätzungsweise 800.000 Todesopfer des Genozids von 1994 werden in zahlreichen Gedenkstätten Ruandas ausgestellt.

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