Dem Mars gehört kräftig eingeheizt

14. April 2004, 10:39
81 Postings

Schaffung einer lebensfreundlichen Atmosphäre mit Treibhausgasen - NASA-Forscher stellen Ideen auf Kongress vor

Washington - Kaum hat die Nasa endlich erste Hinweise für Leben auf dem Mars gefunden, diskutiert sie bereits, wie man den Roten Planeten auch für Menschen bewohnbar machen könnte. Inzwischen glauben immer mehr Wissenschafter, dass sich mit heute verfügbarer Technologie auf dem Mars eine erdähnliche Umwelt schaffen ließe: "Wir sollten nun ernsthaft darüber diskutieren", konstatierte der US-Planetenforscher Christopher McKay vergangene Woche auf der Astrobiology Science Conference der Nasa.

In seiner jetzigen Konstitution ist der Mars für menschliches Leben ungeeignet. Bot er vor wenigen Milliarden Jahren noch eine Umwelt, die zumindest theoretisch Leben ermöglicht hätte, hat man es heute mit durchschnittlicher Oberflächentemperatur von minus 55 Grad Celsius, gefrorenen Wasservorräten, niedrigem Luftdruck und einer um 99 Prozent dünneren Atmosphäre als auf der Erde zu tun.

Ein Strahlenschutz

Um die biologischen Vorgänge wieder in Gang zu setzen, müsste der Planet erwärmt und die Atmosphäre dichter gemacht werden, damit die wärmenden Sonnenstrahlen nicht gleich wieder in den Weltraum reflektiert werden und auch das Leben auf dem Mars vor den aggressiven UV-Strahlen geschützt ist. Beides funktioniert am einfachsten mit etwas, von dem die Erdatmosphäre heute zu viel hat: Treibhausgase.

Forscher vermuten große Mengen an eingefrorenem Kohlendioxid (CO2) in den Polkappen des Mars und dem Gesteinsbrockenfeld, dem Regolith. Bereits durch leichte Erwärmung würde das CO2 langsam freigesetzt, und die dadurch dichter werdende Atmosphäre würde den Planeten immer weiter aufwärmen und immer mehr CO2 lösen. Doch dieses Selbstläufersystem braucht einen Anstoß von außen. Die Forscher diskutierten daher ernsthaft, die Marsatmosphäre mit den auf Erden verpönten Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) anzureichern und so den Planeten schneller aufzuheizen. FCKW ließen sich direkt vor Ort produzieren und dadurch, zumindest im Modell, die Marstemperatur alle 20 Jahre um fünf Grad erhöhen.

Zur Unterstützung könnte ein großer Spiegel im Weltraum das Sonnenlicht gezielt auf die Polkappen lenken und den Schmelzvorgang beschleunigen, meinten die Forscher - technisch möglich sei dies. Noch wissen die Wissenschafter jedoch nicht, wie viel CO2 tatsächlich in Polkappen und Regolith gespeichert ist. Ebenso unklar ist, wie viel Wasser der nur sehr langsam auftauende Permafrostboden liefert. Wasser ist aber nötig, um derart initiierte biologische Vorgänge am Laufen zu halten. Erst dann können auch von der Erde importierte Pflanzen und Bäume im Laufe der Zeit genug Sauerstoff produzieren, um einen Menschen atmen zu lassen. Die Chancen dafür seien jedoch gegeben.

Derart gravierende Veränderungen des Ökosystems würde jedoch heute vermutetes Leben auf dem Mars vernichten: Erst vor zehn Tagen fanden Wissenschafter, wie berichtet, Spuren von Methangas in der Marsatmosphäre, das möglicherweise von Mikroben stammt, die auf dem Mars leben - als Stoffwechselprodukt. "Es ist ethisch sehr bedenklich, dass wir bereits über Projekte nachdenken, die jedes Leben auf dem Mars vernichten würden, ohne dass wir wissen, ob dort Leben existiert", kritisierte die Nasa-Astrobiologin Lisa Pratt.(Andreas Grote/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6. 4. 2004)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.