Morphine bester Heroinersatz

6. April 2004, 09:48
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Suchtexperten für Ausbau des Substitutionsprogramms

Innsbruck - "Wenn man die Morphine zurückdrängt, landen die Patienten wieder beim Heroin", meint Alfred Springer, Leiter des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Suchtforschung, zur Debatte um Substitutionsmittel für Opiatabhängige. So genannte retardierte Morphine sind neben Methadon seit einigen Jahren als ärztlich verschriebener Ersatz für Heroin in Kapsel- oder Tablettenform im Einsatz. Weil sich Suchtkranke diese Tabletten in Wasser aufgelöst auch injizieren und sie auf dem Schwarzmarkt inzwischen das Heroin weit gehend verdrängt haben, wurden zuletzt Stimmen lauter, von dieser Art der Behandlung Abstand zu nehmen oder zumindest die Abgabe der Morphine schärfer zu kontrollieren - DER STANDARD berichtete.

Bei einer Tagung der Ärztekammer und des Tiroler Suchtbeirats am Wochenende waren die Experten allerdings im Wesentlichen anderer Meinung.

Derzeit befinden sich österreichweit rund 5000 Suchtkranke in Substitutionsbehandlung. Springer spricht von "pharmakologisch gestützter Behandlung", womit klar ist, dass es um mehr als die Abgabe von Medikamenten geht. Anzustreben sei eine Erweiterung des Angebots. Erst die Morphinbehandlung ermögliche Patienten wieder Arbeitsfähigkeit und ein annähernd normales Leben.

Massenversorgung

Hans Haltmayer, ärztlicher Leiter des Wiener Ambulatoriums Ganslwirt, wies darauf hin, dass ein Teil der Patienten nicht mit der im Substitutionsprogramm verschriebenen Substanz das Auslangen finde und daneben weiter Drogen intravenös konsumiere. Peter Hermann, Primararzt am Psychiatrischen Krankenhaus Baumgartner Höhe in Wien, spricht sich für eine intensivere Zusammenarbeit von Spezialeinrichtungen und niedergelassenen Ärzten aus. Nur mit letzteren sei eine "Massenversorgung" mit Substitutionsbehandlungen möglich.

Für Haltmayer ist es auch "kein Kunstfehler", unter ärztlicher Kontrolle parallel zu den Substitutionsmedikamenten Benzodiazepine (Schlaf- und Beruhigungsmittel) zu verschreiben, wenn damit etwa chaotisches Konsumverhalten stabilisiert oder Angstzustände behandelt werden können. (Hannes Schlosser, Der Standard, Printausgabe, 05.04.2004)

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