Porträt: Paierl, EStAG-Eigentümervertreter und Autocluster-Architekt

4. April 2004, 18:53
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EStAG-Affäre und Konflikt mit Hirschmann kratzte am Nimbus des Machers

Graz - Der steirische Landesrat Herbert Paierl (V) hat am Samstag seinen Rücktritt angekündigt. Als Ressortzuständiger für Finanzen, Wirtschaft und Europa und als Eigentümervertreter der EStAG ist er eine der Schlüsselfiguren in der Affäre um die Energie Steiermark Holding AG. Der 52 Jahre alte Oststeirer, der 1975 in der Studienrichtung Raumplanung an der TU Wien graduierte, verbrachte die Anfänge seiner Politkarriere im Vorzimmer des steirischen Landeshauptmannes Josef Krainer und in der Chefetage des damaligen Landesenergieversorgers Steweag. Vor allem außerhalb der Steiermark gilt Paierl als Architekt des "Autocluster Styria".

Herbert Paierl wurde am 26. Mai 1952 in Prebensdorf in der Oststeiermark geboren und studierte nach der Reifeprüfung an der Universität für Bodenkultur in Wien, aber auch an der Technischen Universität Wien. 1975 erfolgte die Sponsion zum Diplom-Ingenieur für die Studienrichtung Raumplanung und Raumordnung. 1981 wurde Herbert Paierl Sekretär im Büro von Landeshauptmann Krainer. Als Referent für Wirtschaftsförderung, Fremdenverkehr, Sport, Energiewesen, Landesbeteiligung und Budget managte er für den Landeshauptmann praktisch alle Schlüsselbereiche. 1989 stieg er zum Leiter des Büros auf.

Der absolvierte Raumplaner - in seiner Tätigkeit am Grazer Raumplanungsinstitut traf er übrigens auf jenen Mann, dem er nun als Vorsitzender des Untersuchungsausschusses Rede und Antwort stehen wird müssen, den Grünen Peter Hagenauer - hat umfassende Erfahrung in der Energiewirtschaft: Von 1993 bis 1996, bevor er als Wirtschaftslandesrat in die Regierung wechselte, war er Steweag-Vorstand. Marathonläufer Paierl besitzt - wie viele frühere Angehörige politischer Büros - auch Aufsichtsratserfahrung in Landes nahen Unternehmen, nämlich der früheren Landesholding oder der Ferngas und der Steg.

Paierls Argumentationslinie in Sachen EStAG - er könne als Eigentümervertreter nicht direkt in das Unternehmen eingreifen - schien bisher wasserdicht, vor allem auch wegen seiner gelassenen, aber wortreichen Auftritte in dieser Causa. Dies ist seit eineinhalb Wochen anders - der Landesrat verlor seine Contenance und sprach in einem ungewöhnlichen Medienauftritt von Netzwerken, die die Fäden in der Causa zögen und dass seine ehemaliger Kollege und nunmehriger Rivale Gerhard Hirschmann Landeshauptfrau Waltraud Klasnic stürzen wolle.

Dieser Auftritt passte nicht in das Bild, das man von Paierl bisher in der Steiermark als nüchterner, ergebnisorientierter "Manager" hatte, der nur leidenschaftlich wurde, wenn es darum ging, Schaden vom "Standort Steiermark" abzuwenden. Dieser scheint nun eingetreten, wie Paierl selbst übrigens schon andeutete.

Im Gegensatz zum in den EStAG-Vorstand gewechselten Gerhard Hirschmann wird Paierl eher wenig Einfluss in der steirischen Volkspartei nachgesagt. Die Machtprobe - manche sprachen von "Hahnenkampf" - zwischen den beiden engen Mitarbeitern stürzte VP-Chefin Waltraud Klasnic in ein Dilemma: Die beiden früheren Spitzenleute, die in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht mit die Basis für ihren Erfolg als "Landesmutter" schufen, gingen nun offen und ohne Rücksicht auf Schaden aufeinander los. (APA)

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