"Gerülpster" Halbsatz

4. April 2004, 19:34
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VP-Kandidatin Ferrero lächelt bei den Grünen und betont ihr Engagement in der Frauenpolitik

Wien - Den Grünen war offenbar nicht daran gelegen, VP-Präsidentschaftskandidatin Benita Ferrero-Waldners Lächeln zum Gefrieren zu bringen. Wie schon das Hearing mit dem SP-Kandidaten Heinz Fischer vor einer Woche verlief auch dieses höflich, zwar distanziert, aber freundlich.

Engagement in der Frauenpolitik

Nein, sie wolle hier keinen Wahlkampf führen, beruhigte sie zu Beginn des Gesprächs in der Wiener Sky-Bar. Damit auch ja nichts schief gehen konnte, setzte sie dann auf grüne Leibthemen. Als Bundespräsidentin werde sie sich für Menschenrechte einzusetzen. Sie wolle für eine menschliche Gesellschaft eintreten und gegen Rassismus und Intoleranz agieren. Umweltpolitik sei wichtiger denn je. Und dann wäre da noch ihr Engagement in der Frauenpolitik - ein Punkt, wo ein bisschen Kritik an der eigenen Regierung Platz fand. Hier würde sie "gerne weiter gehen", für eine steuerliche Absetzbarkeit von Kinderbetreuung plädieren.

Reaktion auf Bergmann-Aussage

Wie es denn ins Bild passe, dass Kurt Bergmann, Leiter ihres Unterstützerkomitees, die Fischer-Werberinnen Heide Schmidt, Gertraud Knoll und Freda Meissner-Blau als "frustrierte Frauen" bezeichnet habe? "Jeder ist selbst verantwortlich für das, was er sagt", wich Ferrero aus. Sie selbst habe, räumte die Ministerin ein, bei vergangenen Präsidentschaftswahlen keine Kandidatin gewählt.

"Sprachliche Rülpser"

Nicht fehlen durfte beim Grünen-Hearing die obligatorische Frage, ob sie Jörg Haider zum Minister angeloben würde. Ihre Antwort: Er wäre genauso zu behandeln wie als Landeshauptmann, entscheidend sei die Legitimation durch den Wähler. Dass sie den Dritten Nationalratspräsidenten, Thomas Prinzhorn, trotz seines Sagers von der Gratis-Hormonabgabe an Ausländer zwecks Fruchtbarkeitssteigerung für ministrabel hält, ärgerte den grünen EU-Abgeordneten Johannes Voggenhuber. Ob sie sprachliche Rülpser in ihrer Umgebung nicht stören, hakte er nach. Ferrero: "Ich bin vielleicht toleranter. Ich selbst pflege eine Sprache, wo Sie das kaum gesehen haben." Dann fand sich doch einer im Zusammenhang mit der Festnahme von Mitgliedern der VolxtheaterKarawane bei den Antiglobalisierungsprotesten in Genua: "Der Halbsatz", dass sie die Aktivisten nach einer Information des Innenministeriums als "vorgemerkt" bezeichnet habe, "war nicht richtig": "Der war vielleicht mein Rülpser. Ich würde das nicht mehr sagen." Das Ministerium habe sich aber immer für die Aktivisten eingesetzt. (pm/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3./4.4. 2004)

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