Schwere Unruhen in Jerusalem

4. April 2004, 16:49
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20 Verletzte - Israelische Polizei stürmt Platz vor Al-Aksa-Moschee - Palästinenser bewarfen jüdische Gläubige mit Steinen - Sharon droht Arafat mit "gezielter Tötung"

Jerusalem/Paris - Im Anschluss an das Freitagsgebet in Jerusalem ist es rund um die Al-Aksa-Moschee zu schweren Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Polizisten gekommen. Die Polizei stürmte den Tempelberg, nachdem palästinensische Jugendliche von dort aus mit Steinen geworfen hatten. Die Beamten gingen mit Tränengas, Blendgranaten und Plastikgeschoßen gegen die Menge vor. Tausende von muslimischen Gläubigen verschanzten sich in der Moschee. Mindestens sechs Personen wurden verletzt.

Die israelische Polizei hat auch in der Moschee Tränengas eingesetzt. Die Beamten schossen mit dem Gas durch die Fenster auf Hunderte palästinensische Demonstranten. Alle Eingänge der Moschee wurden blockiert, selbst Sanitäter wurden nicht zu Verletzten vorgelassen.

Sharon droht Arafat mit "gezielter Tötung"

Der israelische Premier Ariel Sharon schloss unterdessen eine "gezielte Tötung" des palästinensischen Präsidenten Yassir Arafat nicht aus. Die Tageszeitung Maariv zitierte Sharon am Freitag mit den Worten, Arafat habe "keine Versicherungspolizze". Jeder wisse, dass Arafat das Hindernis sei, das jeden Fortschritt blockiere. Der Zeitung Haaretz sagte Sharon, Arafat sowie Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah sollten sich nicht immun fühlen. "Jeder, der einen Juden tötet oder einen israelischen Bürger verletzt, oder Leute ausschickt, Juden zu töten, ist gezeichnet", sagte Sharon. Als "für den Tod gekennzeichnet" bezeichnete die israelische Regierung in der Vergangenheit Palästinenser, die sie töten wollte. Am Donnerstag hatte das israelische Fernsehen allerdings Äußerungen Sharons zitiert, die eher eine Vertreibung Arafats nahe legen.

Nach den jüngsten Drohungen Sharons hat Frankreich Israel zur Zurückhaltung gemahnt. "Wir erinnern daran, dass Yassir Arafat der rechtmäßige gewählte Vertreter der Palästinenser ist", betonte das Pariser Außenamt am Freitag.

Das US-Außenministerium begrüßte indes die jüngste Kritik des palästinensischen Ministerpräsidenten Ahmed Korei an Selbstmordattentätern. Zugleich mahnte Außenamtssprecher Adam Ereli an, dass den Worten Taten folgen müssten. Korei hatte am Mittwoch erklärt, dass die Anschläge der palästinensischen Wirtschaft geschadet hätten. Darüber hinaus hätten sie Israel einen Vorwand gegeben, Siedlungen und eine Sperranlage zu bauen. (DER STANDARD, Printausgabe, 03./04. 04. 2004)

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