Saudische Fatwa gegen Real-Life-Soap aus dem Libanon

12. April 2004, 19:17
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"Aufruf zur Sünde" - Reality-Show aus Bahrain nach Protest von islamischen Geistlichen eingestellt

Während Reality-Shows in den verschiedenen Ausprägungen schon lange zum US-Fernsehalltag gehören, stoßen sie in der arabischen Welt auf Widerstände. Nahost-Korrespondenten von CNN, der "New York Times" und Associated Press berichteten in den vergangenen Tagen über den wachsenden Konflikt in islamischen Ländern über die neuen Formen der TV-Unterhaltung. Einen Talent-Wettbewerb unter dem Titel "Star Academy" habe der höchste saudische Religionsgelehrte, Großmufti Abdel Aziz al-Sheik, in einer Fatwa als "Aufruf zur Sünde" verurteilt.

"Schlechtes Vorbild"

Der Großmufti prangerte das Zusammenleben von unverheirateten Männern und Frauen in einem Haus als schlechtes Vorbild für Moslems an. In Saudiarabien wird eine strenge Geschlechtertrennung vorgeschrieben. Frauen dürfen sich in der Öffentlichkeit nur tief verschleiert zeigen.

Die im Libanon produzierte Show "Star Academy" zeigt junge Araber in einem Haus bei Beirut, wo sie nach dem Vorbild von "Big Brother" 24 Stunden lang gefilmt werden. Jede Woche wird ein Bewohner aus dem Haus gewählt. Tagsüber kochen und essen sie gemeinsam und zeigen Proben ihres künstlerischen Könnens. Männer und Frauen schlafen in getrennten Räumen. Dem Gewinner winkt ein Plattenvertrag.

Wangenkuss sorgte für Aufregung

Eine andere arabische "Big-Brother"-Version war nach Protesten von konservativen islamischen Geistlichen eingestellt worden. Als in der in Bahrain produzierten Sendung "Al Rayes" eines saudischen Senders ein freundschaftlicher Wangenkuss zwischen einer Frau und einem Mann gezeigt wurde, erreichte die Aufregung ihren Höhepunkt. Die Teilnehmer, Männer und Frauen, wohnten in einem Haus und schliefen in nach Geschlechtern getrennten Schlafräumen, die nicht gefilmt wurden. Auch Gebetsräume waren vorhanden. (APA)

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