Haiti: Übergangsregierung will Auslieferung Aristides beantragen

4. April 2004, 18:38
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Wegen Mordes verurteilte Rebellenführer sollen begnadigt werden

Port-au-Prince - Die haitianische Übergangsregierung will eine unabhängige Kommission zur Untersuchung von Korruptionsvorwürfen gegen den gestürzten Präsidenten Jean-Bertrand Aristide einrichten. Justizminister Bernard Gousse sagte in einem Interview am Donnerstag, das Gremium werde alle Verstöße auflisten, und dann werde die Übergangsregierung formell die Auslieferung Aristides beantragen. Einen Zeitrahmen nannte er nicht. Aristide hält sich derzeit in Jamaika auf.

Zum Schicksal von zwei als Mördern verurteilten Rebellenführern, deren Aufstand zum Sturz Aristides führte, äußerte sich Gousse zurückhaltend. Sollten Maßnahmen ergriffen werden, müsse dies in einer Weise geschehen, die keine Unruhe aufkommen lasse. Louis-Jodel Chamblain, in Abwesenheit zu zwei Mal lebenslanger Haft wegen Mordes an Aristides Justizminister und dessen Finanzchef verurteilt, müsse ein neuer Prozess gemacht werden.

Massaker

Rebellenführer Jean Tatoune, wegen seiner Rolle bei einem Massaker an Anhängern Aristides zu lebenslanger Haft verurteilt, könne von der neuen Regierung möglicherweise begnadigt werden. Tatoune wurde im vergangenen Jahr aus dem Gefängnis befreit. Minister Gousse sagte, Tatoune habe immerhin dabei geholfen, zwei Diktatoren aus Haiti zu vertreiben, Jean-Claude Duvalier und Aristide. Menschenrechtsorganisationen beklagen, dass die neue Führung in Port-au-Prince den Rebellen zu unkritisch gegenüberstehe. Ministerpräsident Gerard Latortue bezeichnete sie als Freiheitskämpfer.(APA/AP)

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