Polizist brach im Zeugenstand in Tränen aus

16. April 2004, 21:42
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"Der Zugang zu dem Versteck raubt mir schon seit Jahren den Schlaf" - Langjährige Geliebte von Dutroux sagte aus

Arlon/Brüssel - Im Prozess gegen den mutmaßlichen Mädchenmörder Marc Dutroux brach am Donnerstag ein Polizist im Zeugenstand in Tränen aus.

Yvon Demarcq hatte im Dezember 1995 zu jenen Beamten gehört, die nach den verschwundenen Achtjährigen Julie und Mélissa suchten. "Ich bin vielleicht der einzige Gendarm, der das hier zu sagen wagt, aber für uns waren die Kinder tot", erklärte Demarcq dem Schwurgericht von Arlon. Tatsächlich dürften die Mädchen zum Zeitpunkt der Durchsuchungen noch gelebt haben.

"Das raubt mir schon seit Jahren den Schlaf."

Demarcq fotografierte auch den Keller, indem Dutroux das getarnte Kinderverlies angelegt hatte. Das Regal, hinter dem sich der Zugang zu dem Versteck befand, sei ihm damals nicht aufgefallen. Als jedoch acht Monate später zwei andere Mädchen aus dem Keller befreit wurden, habe er sich die Sache nochmals angeschaut. "Als ich das umgekehrt montierte Regal sah und die daran angeschweißten Schrauben, schoss mir alles wieder durch den Kopf", sagte der Polizist. "Das raubt mir schon seit Jahren den Schlaf."

Langjährige Geliebte von Dutroux sagte aus

Eine langjährige Geliebte von Dutroux sagte aus, sie habe dessen mitangeklagte Ex-Frau Michelle Martin mehrfach in das Haus begleitet. Dies geschah zwischen Dezember 1995 und März 1996, als Dutroux in Haft saß und die beiden Achtjährigen vermutlich qualvoll im Keller verdursteten. "Michelle Martin sagte, sie habe Angst, allein dorthin zu gehen", erklärte die Zeugin. Bei diesen Besuchen sei Martin nie in den Keller gegangen. Sie habe lediglich die beiden Hunde gefüttert, die das ansonsten leer stehende Haus bewachen sollten.

Michel Lelivre und Dutroux kannten sich schon vor der Entführung

Aus einer anderen Zeugenaussage vom Donnerstag ging hervor, dass Dutroux und der mitangeklagte Michel Lelivre sich bereits vor der Entführung von Julie und Mélissa am 24. Juni 1995 kannten. Lelivre hat dies stets bestritten. Der vorbestrafte Vergewaltiger Dutroux behauptete hingegen, Lelivre habe die beiden Mädchen zusammen mit einem später ermordeten Komplizen entführt und zu ihm gebracht. (APA/dpa)

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    "Als ich das umgekehrt montierte Regal sah und die daran angeschweißten Schrauben, schoss mir alles wieder durch den Kopf", erzählte der Polizist Yvon Demarcq

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