Zillertal: 17-Jähriger erstach Schwester wegen Männerbekanntschaften

2. April 2004, 21:54
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Eltern und ein Bruder der Ermordeten 20-Jährigen wieder auf freiem Fuß - Motiv: 20- Jährige habe "Schande über die Familie gebracht"

Innsbruck - Die zunächst unter Tatverdacht gestandene Familie der in der Nacht auf Montag im Tiroler Zillertal ermordeten 20-jährigen Libanesin ist wieder auf freiem Fuß. Die Eltern und der 16-jährige Bruder der jungen Frau wurden am Donnerstagabend aus der vorläufigen Verwahrung entlassen, teilten die Ermittler am Freitag mit.

Gründe für eine Haft gebe es vorläufig keine, erklärte Albrecht Jirowez vom Landesgendarmeriekommando für Tirol der APA. Die Ermittlungen würden aber fortgesetzt. Der 17 Jahre alte Bruder bleibt unterdessen in U-Haft. Er hatte die Bluttat am Mittwoch gestanden.

Opfer erstattete Anzeige

Die Leiche von Layal M. war am Montagmorgen von einem Jogger in einem Waldstück in Strass im Zillertal (Bezirk Schwaz) gefunden worden. Drei Tage vor ihrem Tod hatte sie bei der Innsbrucker Polizei noch Anzeige erstattet: Sie sei genötigt worden.

Am Donnerstag nahm die Polizei nun die Eltern sowie zwei Brüder der Toten fest. Der 17-jährige Bruder gestand, seine Schwester getötet zu haben. Die junge Frau hatte demnach bei Bekannten übernachtet, als in der Nacht ihre Verwandten auftauchten, um sie mit nach Hause zu nehmen.

In der Innsbrucker Wohnung der Familie soll der Bruder dann, ohne Wissen der anderen, seine Schwester bewusstlos geschlagen haben. Anschließend fuhr er sie in das Waldstück, wo er sie erwürgen wollte. Da dies zu lange dauerte, habe er auf sie eingestochen.

Hochzeit stand bevor

Als Grund für seine Tat gab er an, Layal M. habe "Männerbekanntschaften" gehabt und damit die Familienehre befleckt. Sie hätte in Kürze eine in Deutschland lebenden Libanesen heiraten sollen. Ob die anderen Familienangehörigen tatsächlich von dem Mord nichts mitbekommen haben, muss noch geklärt werden. (APA, moe, DER STANDARD Printausgabe 2.4.2004)

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