Größte Expansion in Unternehmensgeschichte

9. April 2004, 15:36
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Sörensen wechselt nicht zur Lufthansa - AUA besser als der Markt entwickelt - Ergebnis 2003 stark verbessert

Wien - Die Austrian Airlines (AUA) plant mit dem diesjährigen Sommerflugplan vor dem Hintergrund eines wieder wachsenden Marktes die größte Expansion in ihrer Unternehmensgeschichte. Der Fokus der "Netzwerkoffensive" liegt - vor dem Hintergrund der anstehenden EU-Osterweiterung - auf Zentral- und Osteuropa sowie Asien/Australien. Auf insgesamt 26 Destinationen werden die Frequenzen aufgestockt, mit Shanghai, Singapur, Riga, Lemberg und Podgorica kommen fünf neue Destinationen dazu. Kontinuität gibt es hingegen im AUA-Management. Entgegen anders lautenden Gerüchten wechselt AUA-Vorstandsvorsitzender Vagn Sörensen nicht zur Lufthansa.

"Ich fühle mich bei der AUA-Gruppe sehr wohl", betonte Sörensen am Donnerstag bei der AUA-Bilanzpressekonferenz. Und: "Ich habe vor, den Vertrag bis zum Auslaufen zu erfüllen." Sörensens Vertrag läuft im September 2006 aus. Er habe auch nie ein Angebot von der Lufthansa gehabt, das sei in der wöchentlichen Kontaktpflege mit der Lufthansa auch nie ein Thema gewesen.

Besser als der Markt entwickelt

Die AUA habe sich im Vorjahr besser als der Markt entwickelt, betonte Sörensen. Der Turnaround-Kurs sei trotz negativer Effekte durch Irak-Krieg, Sars und Wirtschaftsflaute, sinkender Ticketpreise und Überkapazitäten im Markt sowie stärkerer Konkurrenz durch Billigfluglinien gehalten und ausgebaut worden. Die AUA sei derzeit zwar insgesamt besser als 2003 unterwegs, allerdings "noch nicht über den Berg". Ein nachhaltiger Turnaround dauere vier bis fünf Jahre, die angestrebte Eigenkapitalquote von 25 bis 30 Prozent werde man erst 2006 bzw. 2007 erreichen, so Sörensen. 2003 erhöhte sich die Eigenkapitalquote von 14,6 auf 17 Prozent.

Die Kostensenkung will die AUA heuer weiter vorantreiben. 2003 reduzierten sich die Einheitskosten um 5,1 Prozent bzw. 60 Mio. Euro, nach 4,3 Prozent 2002. Nicht näher bezifferte Einsparungen erwartet sich die AUA auch von dem neuen einheitlichen Kollektivvertrag für Piloten und Flugbegleiter der Austrian und Lauda Air, die vor allem bei neu eintretenden Mitarbeitern schlagend werden. Je rascher die AUA wachse, desto rascher würden damit Einsparungen erzielt, so Sörensen. Die Marke Lauda Air soll trotz Zusammenlegung des Flugbetriebs mit der AUA erhalten bleiben: "Die Marke ist extrem wertvoll, die werden wir nicht abgeben".

Immobilienverkauf

Verkaufen will die AUA sowohl ihren Firmensitz als auch das in ihrem Besitz befindliche Gebäude am Flughafen Wien, das derzeit von der Airest genützt wird. Das Ziel, vom derzeitigen Standort Wien-Oberlaa auf den Flughafen zu ziehen, sei nach wie vor aufrecht, für das Airest-Gebäude am Flughafen gebe es bereits mehrere Interessenten, so AUA-Finanzvorstand Thomas Kleibl.

Ab 1. Mai 2004 hebt die AUA erstmals von Bratislava ab, täglich sollen mit einer Boeing 737 London, Paris und Brüssel angeflogen werden. Ein gemeinsames Vorgehen mit dem Flughafen Wien bei dem gewünschten Engagement am Flughafen Bratislava, der privatisiert wird, habe die AUA angeboten, dies "war vom Flughafen Wien aber nicht gewünscht", bemerkte Sörensen. Eine künftige Kooperation sei aber nicht ausgeschlossen. Einem heutigen Bericht des "Standard" zufolge will der Flughafen Wien für die Beteiligung am Flughafen Bratislava ein Konsortium bilden und gemeinsam mit der ÖBB und dem Wiener Hafen ins Rennen gehen.

Billigairlines "nachhaltiges Phänomen"

Die Billigairlines sieht Sörensen als "nachhaltiges Phänomen", aber die Trennung zwischen klassischer Airlines und Low-Cost-Carriern werde zunehmend schwieriger, da auch die AUA zunehmend Marketingmittel der Billigairlines anwende.

Den im Vorjahr verbuchten Umsatzrückgang begründete Kleibl mit einem Verkehrsrückgang bei der AUA. Die Zahl der beförderten Passagiere ging um 4 Prozent auf 8,48 Mio. zurück. Die AUA verkauft in Österreich mittlerweile fast jedes zehnte Ticket über das Internet, weltweit beträgt dieser Anteil 5 Prozent. 82 Prozent der Betriebsleistung wurden im Vorjahr im Linienflugsegment erwirtschaftet, 11 Prozent im Charter und 7 Prozent in anderen Dienstleistungen. Die Mitarbeiterzahl hat sich insgesamt um 2,6 Prozent auf 7.167 Beschäftigte reduziert.

Harmonisierung der Flotte fortgeführt

Auch die Harmonisierung der Flotte hat die AUA im Vorjahr fortgeführt. Die Zahl der Flottenfamilien wurde von elf auf zehn reduziert, zumal das Geschäftsfeld Corporate Jet aufgelöst und zwei Lear-Jets verkauft wurden. Die bereits zum Großteil abgeschriebene Embraer-Flotte wird bis Ende 2004 endgültig außer Dienst gestellt, der Airbus 320 wurde durch eine Airbus 319 ersetzt, die Boeing 777 von einer Boeing 737-800. Neu in die aus knapp 90 Fliegern bestehende AUA-Flotte integriert wurden außerdem zwei Dash-8-400. Heuer sollen drei A319, vier Fokker 100 und ein Canadair Regionel Jet

Ergebnis verbessert

Die börsennotierte Austrian Airlines-Gruppe hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2003 ihr Ergebnis markant verbessert. Das Betriebsergebnis (EBIT) stieg um 52,9 Prozent auf 63,3 Mio. Euro, teilte die AUA am Donnerstag vor der um 10:30 Uhr beginnenden Bilanzpressekonferenz mit. Damit bestätigte das Unternehmen die im Februar bekannt gegebenen vorläufigen Zahlen.

Mehr Passagiere

Das verbesserte Ergebnis führte die AUA heute auf "eine markante Verbesserung des Passagieraufkommens" durch innovative Marketingaktionen und vor dem Hintergrund einer Konjunkturbelebung im letzten Jahresdrittel, auf eine konsequente Einheitskostensenkung sowie ein aktives Währungs-, Zins- und Risikomanagement zurück.

Die Ergebnisverbesserung ist den seinerzeitigen Angaben vom Februar zufolge ganz wesentlich auf günstige Währungsverschiebungen zurückzuführen, insbesondere auf die relative Schwäche von Dollar, Schweizer Franken und Yen gegenüber dem Euro. Aus diesen Sonderfaktoren ("Exceptionals") hat die AUA 2003 gemäß letzten Angaben insgesamt im Ausmaß von 59.2 Mio. Euro profitiert. (APA)

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