Darabos im STANDARD-Gespräch über "Möglichkeiten jenseits von Haider"

4. April 2004, 12:39
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SPÖ-Geschäftsführer: "Auf Bundesebene kommt die FPÖ so, wie sie sich derzeit präsentiert, nicht als Partner infrage"

Von den Folgen der Ansage, der Erste möge Landeshauptmann werden, bis zur ausufernden Kommunikationsdebatte nahm sich das SP-Präsidium durchwegs unangenehme Themen vor. Mit dem Ziel, Ruhe für die nächste Wahl zu bewahren und künftig Einigkeit zu zeigen.

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Wien - Bis auf die Salzburgerin Gabi Burgstaller waren alle Landesparteivorsitzenden der SPÖ zur Präsidiumssitzung der SPÖ nach Wien gekommen. Dort ging es erstens um die Nachbesprechung des Pensions-Volksbegehrens und zweitens um die Präsidentschaftswahl.

Daneben wurden aber auch die Kommunikationsprobleme innerhalb der SPÖ behandelt, wie Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos im Vorfeld betonte: "Das Präsidium wird dazu klar Stellung beziehen." In die nächste Nationalratswahl werde man jedenfalls ohne Koalitionsansagen gehen, das einzig formulierte Ziel werde es sein, Stärkster zu werden. Wenn dieses Ziel erreicht werde, gebe es die Chance, dass die SPÖ einen Richtungswechsel vornehme. Ob das eine Lehre aus Kärnten sei? Nein, behauptet Darabos.

Kärntner Chor

Bekanntlich hatte der SP-Vorsitzende Alfred Gusenbauer lange vor der Landtagswahl die Parole ausgegeben, die stimmenstärkste Partei solle den Landeshauptmann stellen. Zu diesem Zeitpunkt sah es so aus, als wäre es ganz sicher die SPÖ. Dass Gusenbauer damit den späteren Wahlsieger Jörg Haider von vornherein einzementiert hat, bestreitet Darabos: "Nein, das war kein Fehler, denn der Großteil der Bevölkerung will ja den Wahlsieger als Landeshauptmann."

Möglichkeiten jenseits von Haider?

Außerdem sei sofort klar geworden, dass sich die ÖVP nicht an ihre Ankündigung, Haider zu verhindern, halten werde. Eines räumt Darabos im Gespräch mit dem STANDARD allerdings ein: "Es ist durchaus möglich, dass sich bei einem längeren Verhandlungszeitraum in Kärnten vielleicht auch Möglichkeiten jenseits von Haider aufgetan hätten."

Gute Umfragewerte für Fischer

Im Hinblick auf die Präsidentschaftswahl will Darabos vor allem wieder Ruhe in die Partei bringen. Besonders das Verhalten der ÖVP - auch in Kärnten - habe gezeigt, dass es ihr in erster Linie "um die Beschädigung des Präsidentschaftskandidaten Heinz Fischer" und der SPÖ allgemein gehe. Das habe nicht gewirkt, meint Darabos, der auch keine Auswirkungen des Streites der roten Kommunikationsexperten sieht: Zur SPÖ bekennen sich laut Darabos "rund 42 bis 43 Prozent" der Befragten. Und nach letzten, noch nicht veröffentlichten OGM-Daten liege SPÖ-Fischer derzeit bei 54 Prozent, dessen ÖVP-Kontrahentin Benita Ferrero-Waldner bei 46 Prozent. Auswirkungen würden zwar medial herbeigeschrieben, tatsächlich sei aber "null" zu spüren.

Wie lange dauert "derzeit"?

Ganz trauen dürfte Darabos der Macht so belegter Fakten aber doch nicht, ebenso wenig den diversen Aufrufen, parteiintern endlich Frieden zu halten. Er verstehe die "Besorgnis gewisser Intellektueller", die aus der Kärntner Koalition zwischen Blau und Rot auf Ähnliches im Bund schließen. Daher wird Darabos nicht müde vorzubeugen: "Auf Bundesebene kommt die FPÖ so, wie sie sich derzeit präsentiert, nicht als Partner infrage." Es dürfte nicht lange dauern, bis aus der SPÖ die Frage ertönt, wie lange "derzeit" dauern wird.

Denn dass die SPÖ nicht aufhören wird, ihre Angel nach unzufriedenen FP-Wählern auszuwerfen, steht ebenfalls außer Zweifel. Sollte sie es nicht geschickter vermitteln als nach diesen Landtagswahlen, muss sie sich vor noch möglichen Wahlerfolgen zu fürchten beginnen. Darabos vermittelt unausgesprochen ganz den Eindruck, als wüsste er das. (Samo Kobenter/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.4.2004)

  • Achtung, Baustelle: Gusenbauer findet, geleitet von Kommunikationschefin Krawagna-Pfeifer, seinen Weg.
    foto: standard/cremer

    Achtung, Baustelle: Gusenbauer findet, geleitet von Kommunikationschefin Krawagna-Pfeifer, seinen Weg.

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