CDU-Europaparlamentarier: "Herr Martin ist ein Schmarotzer"

2. April 2004, 09:44
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Werner Langen übt scharfe Kritik

Straßburg/Brüssel - "Herr Martin ist ein Schmarotzer, der eine Institution in Verruf bringt, und sich das für seine private journalistische Tätigkeit zu Nutze macht", lautet das Urteil des CDU-Europaabgeordneten Werner Langen über die Auftritte seines Parlamentskollegen Hans-Peter Martin. Im Gespräch mit dem Standard greift der ehemalige rheinland-pfälzische Agrarminister den ehemaligen Spiegel-Journalisten und Bestsellerautor scharf an.

Hans-Peter Martin habe nur in den ersten Monaten nach seiner Wahl ins Europaparlament 1999 seine parlamentarische Arbeit gemacht. Langen erinnert sich an einen Vorfall im Industrieausschuss des Parlaments, bei dem ein Bericht Martins über Lobbyismus auf Widerstand gestoßen sei: "Wie ein kleines Kind, dem man das Spielzeug wegnimmt, hat er den Bericht niedergelegt. Alleine damit ist er aufgefallen." Martin habe sich im EU-Parlament darauf verlegt, seine Kollegen zu bespitzeln, "nachdem er zuvor inhaltlich, politisch und persönlich gescheitert ist".

CDU-Mann Langen weist auf Martins Einzug ins EU- Parlament als Listenführer der SPÖ vor fünf Jahren hin: "Der gute Mann wollte Karriere machen. Er ist angetreten mit dem Ziel, mindestens Delegationsleiter zu werden. Dann haben ihn die eigenen Kollegen gebremst - und er hat sich aufs Spionieren verlegt."

Zuerst habe Martin nur die österreichischen Kollegen bespitzelt. Später habe er angekündigt, er mache ein Enthüllungsbuch, "und hat dann gemerkt, die acht Millionen Einwohner Österreichs sind zu wenig, damit sich das Buch auch finanziell lohnt. Jetzt müssen die deutschen Abgeordneten mit hinein gezogen werden - der deutschsprachige Raum hat ja insgesamt 90 Millionen Leser".

Wie andere EU-Parlamentarier wirft auch Langen Martin vor, seine Position zu missbrauchen: "Er, der offensichtlich fast vier Jahre seine Kollegen bespitzelt hat, mit der Energie seines Büros, seiner Mitarbeiter, unter Inanspruchnahme von Taggeldern und Diäten, die nicht dafür vorgesehen sind, sondern für die Vertretungen der österreichischen Interessen in Brüssel und Straßburg."

Zu Martins Vorwürfen wegen angeblich zu Unrecht kassierter Taggelder hält Langen fest: "Er hat keine Beweise", und er fügt hinzu: "Der Mann muss im Kopf verwirrt sein."

Christdemokrat Langen räumt dabei ein, dass zwar die Reisekostenregelung für die EU-Parlamentarier dringend reformbedürftig sei. Für die Taggelder gelte dies aber nicht: "Die gleichen die Zusatzkosten aus, die ein nationaler Abgeordneter gar nicht hat, weil er nicht an verschiedenen Orten im Ausland arbeiten muss." (DER STANDARD, Printausgabe, 1.4.2004)

Jörg Wojahn
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