Im Hightech wird Lustvolles gefördert

1. April 2004, 12:21
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Wissenschafter und Experten werden mit Kreativen an einen Tisch gebracht - Etwa um Geschichte räumlich darzustellen oder Musik sichtbar zu machen

Wissenschafter und Experten werden mit Kreativen an einen Tisch gebracht. Etwa um Geschichte räumlich darzustellen oder Musik sichtbar zu machen. Gefördert wird das vom Wiener Technologiefonds - in der Hoffnung, dass das Ergebnis vermarktet werden kann.

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Ein begehbarer Raum wird als 3D-Modell errichtet: Es ist der Josephsplatz, den man besuchen wird können. Was an sich nichts Besonderes wäre, da man ja ohnehin im wirklichen Leben auf ihm spazieren kann. Nur: Auf diesem virtuellen Platz wird man durch die Jahrhunderte marschieren, da die visuellen Daten von aktuellen und historischen Aufnahmen mit verschiedenen Dokumenten- und Datensammlungen verknüpft werden. Diese Kooperation von Nationalbibliothek, Forschungsinstitut für Artificial Intelligence und Forschungszentrum Telekommunikation soll in zweieinhalb Jahren entwickelt werden.

Bei einem anderen Vorhaben arbeiten Sozialwissenschafter mit Medizinern und Künstlern zusammen, kooperieren Experten der Universitätsklinik Wien mit der Angewandten: Ziel ist es, einmal zu erforschen, wie sehr Bilder des menschlichen Inneren - wie Röntgenaufnahmen, Tomografien oder Ultraschall - eigentlich das Verhältnis von Arzt und Patienten beeinflussen und wie das "verkörperte Wissen" das Bild des Künstlers vom Menschen verändert.

So unterschiedlich diese Vorhaben auch klingen mögen - sie haben eines gemeinsam: Wissenschafter setzen sich mit Kreativen an einen Tisch, um Neues, Unerwartetes zu entwickeln. Und das wird jetzt entsprechend unterstützt vom Wiener Wissenschafts- und Technologiefonds (WWTF). "Wir achten bei der Auswahl darauf, dass wir vor allem wenige große und nicht viele kleine Projekte unterstützen", erläuterte WWTF-Geschäftsführer Michael Stampfer am Dienstag. Präsentiert wurden jene zehn Projekte, die beim "Call Science for creative industries 2004" als förderungswürdige Sieger hervorgingen.

Häupl, Görg lustbetont

Diese "Verknüpfung von Hard Facts mit schönen Dingen" hat für den Fondspräsidenten Michael Häupl, "etwas ausgesprochen Lustbetontes". Während Bernhard Görg - immer noch Häupls Vize, wenn auch nicht als Bürgermeister, so doch im Fonds - die Hoffnung hegt, dass man "bei der Verknüpfung von Kunst, Wissenschaft und Technologie letztlich auch etwas kommerziell Verwertbares bekommt".

Wie beispielsweise bei jenem Projekt, das in zwei Jahren die Strategien und Arbeitsweisen von Modedesignern erforschen will. Oder jenes hochkomplexe Vorhaben vom Institut für Artificial Intelligence, das neue Arten von Computerschnittstellen entwickeln will, mit denen Musik auf vollkommen neue Art präsentiert wird. Etwa indem unterschiedliche Interpretationen sichtbar gemacht werden. Auch wenn man sich als Laie noch nicht wirklich vorstellen kann, wie das aussehen wird - die Firma Bösendorfer hat durchaus schon Interesse bekundet.

Professorenstiftung

Als Nächstes schreibt der WWTF eine "Stiftungsprofessur" aus. Häupl: "Es hat sich in Wien viel im Bereich der Biotechnologie getan, aber bei der Verknüpfung mit der Mathematik, also der Bioinformatik, gibt es noch ein Defizit." Hier soll eine Expertengruppe für vier, fünf Jahre nach Wien geholt werden - was mit 1,5 Millionen Euro unterstützt wird.

Der WWTF wird mit den Mitteln aus der Privatisierung der Bank Austria gespeist. Dass die BA-CA-Mutter HVB heuer keine Dividende ausschüttet, bereitet Häupl kein Kopfzerbrechen: "Das Portfolio ist ein breiteres, sodass auch heuer 7 bis 7,5 Millionen Euro in den Fonds fließen." (Roman David-Freihsl/DER STANDARD; Printausgabe, 31.3.2004)

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