Freikauf vor Gericht soll in Irland abgeschafft werden

1. April 2004, 19:26
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Jahrhunderte alte Rechtspraxis auf dem Prüfstand

Eine Jahrhunderte alte Rechtspraxis in Irland, bei der sich Straftäter mit einer Geldspende für Arme freikaufen können, soll abgeschafft werden. Ein am Dienstag in Dublin veröffentlichter Bericht der Expertenkommission für die Justizreform kommt zu dem Ergebnis, dass dieser Brauch durch keinerlei Gesetzesvorschrift gedeckt sei. Seine Anwendung liege allein im Ermessen des einzelnen Richters und bringe somit "erhebliche Ungereimtheiten" hervor, urteilten die Experten.

Allein im vergangenen Jahr zahlten Straffällige in Irland insgesamt 983.000 Euro in eine Art Armenkasse und verhinderten damit ihre Verurteilung; diese Art Freikauf wird in der Regel allerdings nur Menschen ohne Vorstrafenregister und bei minder schweren Vergehen zugestanden. Nach Angaben der Expertenkommission profitierten zahlreiche Sportler und andere Prominente von diesem Brauch. Die Experten schlagen nun vor, die Praxis auf eine legale Grundlage zu stellen, einen Fonds und vor allem eine Obergrenze für die Geldzahlung zu vereinbaren, um Vorteile wohlhabender Missetäter zu verhindern. (APA)

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