Bausparer kämpfen gegen fremde Währung

7. April 2004, 14:48
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Die S-Bausparkasse versucht jetzt mit Darlehenszinsen unter zwei Prozent den Fremdwährungs­krediten Paroli zu bieten

Wien - "Wenn das Tempo anhält, werden nächstes Jahr bereits 50 Prozent aller neuen Immobilienfinanzierungen in Fremdwährung abgeschlossen, und 2009 gar 90 Prozent", warnt der Chef der S-Bausparkasse, Josef Schmidinger. Im Vorjahr waren bereits 34 Prozent (14,5 Mrd. Euro) in Schweizer Franken oder Yen verkauft. Gleichzeitig gingen die Ausleihungen der fünf heimischen Bausparkassen um 484 Mio. Euro auf 13,1 Mrd. Euro zurück. Auch die S-Bausparkasse konnte ihre Finanzierungsleistung nicht wie erwartet auf eine Mrd. Euro steigern und erreicht lediglich 837 Mio. Euro.

Risiko erläutern

Schmidinger hofft nun auf die geplante Novelle zum Bankwesengesetz, die zur Jahresmitte in Kraft treten soll. Ab dann muss dem Kunden beim Abschluss eines Fremdwährungskredites auch das finanzmathematische Risiko dieses Kredites erläutert werden. Die Bank muss dann dem Kunden das Risiko transparent machen und eine vergleichbare Eurofinanzierung präsentieren. Und diesen Vergleich scheut Schmidinger nicht: Denn zu den optisch attraktiven Zinsen zwischen 1,50 (Yen) und 2,25 Prozent (Franken) müssen die Kunden künftig über mögliche Risikozuschläge, sei es aus der Währung oder dem Tilgungsträger (Versicherung), informiert werden.

Geht man davon aus, dass der Franken in den vergangenen fünf Jahren um 14,5 Prozent zwischen seinem Höchst-und dem Niedrigstkurs schwankte, der japanische Yen gar um 81,2 Prozent, so errechnet sich beim Frankenzinssatz ein Zuschlag von 1,01 Prozent und beim Yen sogar von 2,91 Prozent. Doch da ist eine mögliche Kapital-Unterdeckung bei der Versicherung am Ende der Laufzeit noch gar nicht berücksichtigt.

Bestehende Darlehen gesenkt

Um zu zeigen, dass Bauspardarlehen günstiger als jede Bankfinanzierung sind, hat die S-Bausparkasse mit Jahresbeginn bestehende Darlehen um einen Prozentpunkt auf vier Prozent gesenkt. Für alle neuen Kunden beträgt der Zinssatz gar nur mehr 1,97 Prozent. Der Effektivzinssatz liegt damit bei einer Laufzeit von 30 Jahren bei 3,3 Prozent jährlich. Zum Vergleich dazu kostet ein herkömmlicher Wohnbaukredite bei den Banken derzeit effektiv etwa 3,80 Prozent.

Verglichen mit den Darlehenszinsen sind die Habenzinsen beim Bausparvertrag mit 2,50 (fix) bis drei Prozent (variabel) noch immer sehr hoch. Inklusive staatlicher Prämie beträgt die Rendite stolze 3,6 Prozent. (Claudia Ruff, DER STANDARD Printausgabe, 31.3.2004)

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    Josef Schmidinger scheut Vergleich mit Fremdwährungs­krediten nicht

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