Postbus-Vorstand als Platzhalter für "Politruks"

7. April 2004, 14:36
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Ott war bereits bei Bestellung 2001 umstritten

Wien - Die entscheidende Aufsichtsratssitzung für die Bestellung der neuen ÖBB-Vorstände ist zwar erst am 29. April, am Reißbrett werden die Personalrochaden aber bereits jetzt skizziert. Vorentscheidungen fallen dieser Tage, Vizekanzler Hubert Gorbach und ÖVP-Klubobmann Wilhelm Molterer stecken ihre Köpfe für Pläne für neue Köpfe und Namen schon zusammen.

Als Fixstarter für den neben Postbus-Finanzchefin Wilhelmine Goldmann vakant werdenden Posten gilt, wie berichtet, Postbus-Vorstand Werner Ott. Das darf insofern überraschen, als der Aufsichtsrat bereits vor einem Jahr überein gekommen ist, Ott nicht mehr zu verlängern. Gleichzeitig wurden die Agenden "Planung und Umsetzung der Verkehrskonzepte" von Ott auf Goldmann übertragen.

Abgezeichnet

Das wiederum hatte sich im Prinzip bereits bei Otts Vorstandskür im Februar 2001 abgezeichnet, die bei der Abspaltung des Postbusses von der gelben Post erfolgte. Der von Post-General Anton Wais in Abstimmung mit dem damaligen ÖBB-Chef Helmut Draxler im Jahr 2000 zum "Bereichsleiter Postbus" bestellte Ott wurde dort als "wirklich exzellenter Verkehrsexperte" bezeichnet, der "über eine hohe Fachkompetenz verfügt".

Aber: "Es fehlt ihm die theoretische Axiomatik. Aufgrund dessen kommt der Aufsichtsrat zur Auffassung, dass Ott [. . .] nur dann als zweites Vorstandsmitglied vorgeschlagen wird, wenn in einer Geschäftsordnung für den Vorstand eine Neuverteilung der Aufgaben zwischen Vorstandsbereich Verkehr und Finanzen vorgesehen ist", heißt es im Aufsichtsratsprotokoll.

Grob verschätzt

Angelastet wurde Ott auch, dass er sich bei der Trennung von Post und Postbus grob verschätzte: Der für 2000 prognostizierte Gewinn von 50 Mio. Schilling hatte sich in einen Verlust von 150 Mio. verwandelt - zulasten der Post, versteht sich. Die Regierung ficht das nicht an. Es heißt, Ott sei ohnehin nur ein Jahr lang als "Platzhalter" für Politfunktionäre vorgesehen. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD Printausgabe, 31.3.2004)

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