Ruhm und Ehre mit offenen Karten

4. April 2004, 21:41
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Rund um die freie Software entwickelt sich eine lebendige Szene in Österreich

Freie Software, das steht für Technikfreaks, die für Ruhm und Ehre programmieren und ihren Code allen zur Verfügung stellen. "Doch bei größeren Projekten läuft nichts mehr mit 16-jährigen Nerds, die Entwicklung ist mittlerweile hoch professionalisiert, sagt Angelika Gößler vom Wiener Open-Source-Dienstleister Agami. Da werde dann in internationalen Netzwerken, in Firmen und an den Unis entwickelt und geforscht. Auch und gerade in Österreich: "In der Softwarebranche wird gerne gejammert - wenige sehen, wie renommiert wir international sind", so Gößler.

Österreicher finden sich in den verschiedensten Entwicklungsteams; mit "Rock Linux" hat Österreich sogar eine eigene Distribution des freien Betriebssystems. Auch die Idee für das offene E-Learning-System Eduplone, das nun offiziell vom Bildungsministerium empfohlen wurde, ging von Österreich aus. "Doch Lokalität spielt hier nicht mehr so die große Rolle", erklärt Georg Pleger vom Eduplone-Team. Denn mittlerweile arbeiten 120 Programmierer aus 15 Ländern an Eduplone; Man trifft sich halbjährlich zu Entwicklerkonferenzen - die letzte fand im Februar in Vorarlberg statt.

Europa-Konsortium

Rund um Eduplone hat sich nun auch ein Konsortium aus neun europäischen Firmen gebildet, eine Europäische Wirtschaftliche Interessenvereinigung ist in Gründung. Denn auch wenn der Programm-Code gratis ist, lässt sich mit eventuellen Anpassungen, Dokumentation, Service und Schulungen Geld verdienen. "Die Anzahl der Open-Source-Firmen ist ab Herbst 2002 kontinuierlich gestiegen", sagt Friedrich Kofler von der Wiener Wirtschaftskammer. Auf der Open-Source-Plattform der Wirtschaftskammer sind mittlerweile 170 Firmen gelistet, die verschiedene Dienste rund um die freie Software anbieten. "So sollen sich Anbieter und Nachfrager leichter finden", erklärt Kofler.

Mit der Open-Source-Initiative Vorarlberg (OSIV) wurde nun im Ländle eine ähnliche Plattform ins Leben gerufen: Die Wirtschaftsstandort Vorarlberg GmbH und Telesis beraten Unternehmen bezüglich Open Source; Seminare und Schulungen werden geboten; ein Entwicklernetzwerk soll aufgebaut werden.

Als kleine Firma tue man sich aber schwer, eigene Ideen weiterzuentwickeln - "man kommt kaum an Forschungsförderungen", erzählt Gößler von Agami. Zwar fördert der Forschungsförderungsfonds für die gewerbliche Wirtschaft prinzipiell auch Open-Source-Projekte; allerdings muss ein wesentlicher Teil der Kosten aus Eigenmitteln der Firma abgedeckt sein. Was für Kleinfirmen oft problematisch ist.

"Ein spezieller Open-Source-Call wäre sinnvoll", schlägt Kofler vor. Doch weit wichtiger sei die Offenlegung der Microsoft-Schnittstellen und Dateiformate. Auf EU-Ebene wurde dazu mit dem Urteil gegen Microsoft ein erster Sieg errungen; die Redmonder kündigten aber Berufung an. (Heidi Weinhäupl/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29. 3. 2004)

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