Der Roboter: Ein Diener für alle Fälle

4. April 2004, 21:41
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Auf zwei Beinen werden Roboter marschieren - und ins Weltall fliegen, um defekte Kollegen zu reparieren

... oder sie werden mit Argusaugen nach mikroskopisch kleinen Fehlern in Metallteilen suchen. Auch österreichische Spitzenforscher basteln am Roboter der Zukunft.

"Wir sind die Roboter / Wir sind auf alles programmiert / Und was du willst wird ausgeführt." Die deutschen Computerklang-Künstler Kraftwerk haben den künstlichen Wesen in den neunziger Jahren ein recht cooles Image verpassen wollen. Notwendig wäre das nicht gewesen - denn der Siegeszug der Roboter in der multimedialen Lebensrealität war damals längst vollzogen.

Roboter werden heute in vielen Bereichen eingesetzt. Ob in der Autoindustrie oder - im Pilotversuch - in 30 Krankenhäusern weltweit: Der vollautomatische Pfleger ist heute bereits genauso im Einsatz wie der ferngesteuerte Operateur, der ein künstliches Hüftgelenk einbaut.

Auf Rädern

Die erste Generation der erratischen Giganten mit block-artiger Figur, die nur stumpf mit ihren Greifarmen hin- und herfahren und dabei einen Höllenlärm erzeugten, interessiert die Forschung aber heute kaum mehr. Peter Kopacek, Leiter des Instituts für Handhabungsgeräte und Robotertechnik an der TU Wien, arbeitet seit Jahren nur mehr mit mobilen Roboter, die sich mittels Rädern fortbewegen. Die herkömmlichen Industrie-Roboter nennt Kopacek "Nilpferde". Er träumt schon vom selbständig gehenden, krabbelnden, hüpfenden Roboter auf zwei Beinen. "Archie soll er heißen", weiß Kopacek heute schon. Wann er ihn erfindet, kann er nicht sagen - schließlich ist er gerade intensiv mit einem anderen "Hightech-Blödsinn" (Kopacek) beschäftigt: Roboterfußball. Klingt verspielt - und ist laut Kopacek "im Prinzip auch ganz einfach". Der Professor hat einen Hang zum Understatement. Denn hinter mit-und gegeneinander spielenden Robotern steckt Brainpower vom feinsten: "Intelligente Multi-Agent-Systeme" (MAS) heißt Roboter-Fußball in der korrekten Fachsprache.

Die "Agenten" (Roboter) "kooperieren" inmitten einer dynamisch sich verändernden Umgebung. Die Spielerei hat einen ernsten Hintergrund: Flexible Roboter, die auf unterschiedlichste Bedingungen reagieren und "miteinander" arbeiten, sind für viele Bereiche hochinteressant. Sie werden künftig, davon ist Kopacek überzeugt, verstärkt in der Industrie, etwa als selbständige Transportfahrzeuge, zum Einsatz kommen. Der Vorteil dabei: Was der Roboter auch tut - er tut es 24 Stunden pro Tag in gleich bleibender Qualität, und er ist "billiger" als menschliche Arbeitskraft.

Multi-Agenten-Systeme sind aber nicht nur für die Industrie interessant: Gerade eben hat Kopacek eine Anfrage von einer Weltraumbehörde erhalten, die er noch nicht näher konkretisieren will. "Aus Robi-Speed wird Robi-Space", sagt er kryptisch. Reparaturarbeiten an defekten Raumsonden? Entsorgung von Weltraum-Müll durch ausschwärmende Roboter? Kopacek bleibt kryptisch: "Wir werden sehen." Doch es bedarf ohnehin keiner kickenden Roboter im All, um österreichische Forschungsleistung im Ausland bekannt zu machen. Kopacek und Co. sind etwa auch Pioniere im Bereich der der Minenentschärfung. Sie arbeiten an der Automatisierung des gesamten Prozesses der Minenentschärfung. In einem Pilotprojekt im Kosovo suchen Roboterschwärme nach Landminen, buddeln sie aus und zerstören sie.

Metalle untersuchen

Nicht ganz so spektakulär, aber nicht minder innovativ forscht das Team um Professor Paul O' Leary an der Montan-Universität in Leoben. Das Institut für Automation entwickelt Roboter-Systeme, die vor allem für die Oberflächenuntersuchung von Metallen, oftmals im Mikro-Bereich, eingesetzt werden können. Die eingesetzten Prüfgeräte sind dabei so "intelligent", dass sie echte Fehler von "Pseudo-Fehlern" - etwa Abdrücke, die durch den Transport der noch heißen Metall-Objekte entstehen - zu unterscheiden lernen. Vor allem die Stahl-Industrie profitiert von den Erkenntnissen der Leobener - die Universität mit ihren innovativen Entwicklungen in Sachen automatisierter Qualitätskontrolle trägt einen großen Anteil daran, dass österreichischer Stahl einen Weltruf genießt.

Der selbständige, intelligente Roboter, der sich quasi selbst steuert, sei eigentlich längst Realität geworden. Jüngster Beweis sind zwei in den USA gerade erschienene Bücher. Ihr Inhalt sagt schon alles: "Das sozio-psychologische Verhalten von Robotern." (Petra Stuiber/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29. 3. 2004)

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