Meinl Bank wird "österreichischer"

2. April 2004, 11:02
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Julius Meinl will sich verstärkt an der Wiener Börse engagieren - Meinls neuer "Mr. Austria", Wolfgang Matejka, im STANDARD-Interview

STANDARD: Ihren Job als Chief Investment Officer gab es davor in der Meinl Bank nicht. Sind Sie jetzt der Aufpasser zwischen der populären Schiene Meinl Success und der exklusiven Bankenklientel?
Matejka: Ich bin Dienstleis- ter für die Bank, die Kapital- anlagegesellschaft und die Meinl Success. Mein Job ist die Produktentwicklung, die Produktkontrolle und die Bewusstseinsbildung.

S
TANDARD
: Bewusstsein bilden - in welche Richtung?
Matejka: Der Österreich-Ansatz wird sich künftig in der Fondspalette und bei Zukunftsvorsorgeprodukten von Meinl stärker zeigen. Auch die Marktpräsenz an der Heimatbörse wird verstärkt.

S
TANDARD
: Was bringen Sie da ein?
Matejka: Jahrelange Erfahrung im Management mit Österreich-Fonds und den Blickwinkel externer Investoren auf den Markt aus meiner Vontobel-Zeit.

S
TANDARD
: Julius Meinl gründet jetzt ja eine eigene Anlegerschutz-Abteilung und will sich der Aktionärsdemokratie durch kontinuierliche Präsenz bei Hauptversammlungen der heimischen Firmen widmen.
Matejka: Ja, das gehört zu den Flagship-Activities des Hauses. Meinl ist ein österreichisches Haus und seine Unabhängigkeit ist dabei sicher dienlich.

S
TANDARD
: Seit zehn Jahren tragen Sie den schmückenden Beinamen "Mr. Austria". Ist jetzt, nachdem der ATX innerhalb von knapp zwei Jahren um über 80 Prozent gestiegen ist, ein guter Zeitpunkt, um neue Österreich-Produkte aufzulegen?
Matejka: Zugegeben, der Markt ist gut gelaufen. Aber jetzt spiegelt er ein gehobenes Kapitalmarktverständnis wider. Übernahmerecht, Corporate Governance . . . die Glaubwürdigkeit hat zu genommen, und die Unternehmen liefern nachhaltig bessere Gewinne ab als viele ihrer europäischen Kollegen. Außerdem handeln immer mehr Ausländer selbst an der Wiener Börse, und die Bewertungen der Unternehmen haben sich auf europäische Niveaus angenähert, das sehe ich positiv.

S
TANDARD:
Könnten sich die Wiener mit ihren ständig neuen Rekordhochs im ATX nicht schon am Zenit ihres Zyklus als lokale Börse befinden?
Matejka: Das sehe ich nicht so. Ich erwarte, dass die Eigenkapitalvorschriften aus Basel II durch noch restriktivere Kreditvergabe - oder teurere Kredite - einen ordentlichen Zuzug auch der mittelständischen Unternehmen an die Börse bringen. Und die Aufnahmefähigkeit des Marktes ist jetzt so gut wie schon sehr lange nicht mehr. (DER STANDARD, Printausgabe, 29.3.2004)

Das Gespräch führte Karin Bauer

Wolfgang Matejka hat zuerst in der Länderbank die institutionellen Wertpapierkunden betreut, war dann Leiter des Portfolio-Managements und Geschäftsführer der Allianz Investment Bank in Wien, bevor er in den Vorstand der Vontobel wechselte - An der Wiener Wirtschaftsuni trägt er Investor Relations und Portfolio-Management vor. Seit März ist er Chief Investment Officer bei Meinl
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