US-Aktien: Die Suche nach Wachstum

2. April 2004, 13:22
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Die Märkte werden in den nächsten Jahren kaum Erträge abliefern, so US-Paradeinvestor Jim Jundt - Mit Infografik

Wien - Was bringen Wachstumsaktien in den nächsten Jahren? Jim Jundt, der in den vergangenen 30 Jahren die am schnellsten wachsenden US-Aktien gesucht - und großteils auch gefunden hat -, vertritt dazu eine klare Meinung: insgesamt nicht viel.

Microsoft, mit rund acht Prozent im Nasdaq 100 gewichtet, werde die 60-Dollar-Marke (derzeit rund 25 Dollar) nicht mehr sehen. Der Grund: Viele "Mystery-Faktoren" der großen Indextreiber seien weggefallen: Solange die Märkte nicht einschätzen können, zu welcher Größe ein innovatives Unternehmen wachsen könne, sei viel Fantasie drinnen. Sobald die Parameter aber kalkulierbar würden, werden sie von den Märkten im Aktienkurs diskontiert, sagt Jundt zur Erklärung. Und trotz aller Erholungs-Rallye in der Nasdaq (siehe Chart): "Wenn Microsoft das Hoch nicht mehr schafft, dann schafft es auch der Index nicht."

Enge "Trading-Range"

Die Märkte werden sich, glaubt er, in den nächsten Jahren in einer engen Bandbreite bewegen, einer "engen Trading-Range", die von starken Schwankungen geprägt sein werde. Vor allem von den "reifen" Unternehmen erwartet sich Jundt keine gewaltigen Kursbewegungen mehr. Ausgenommen: psychologisch motivierte Ausschläge.

Jundt wurde vom renommierten US-Finanzmagazin Barron's unter die besten fünf von einhundert Fondsmanagern gewählt und hat in der Vorwoche auf Einladung der Vienna Portfolio Management AG einen Vortrag zu "Wachstumsaktien" in Wien gehalten.

China ist "Werkbank" der Welt

Hauptgrund für die "jahrelang flache" Marktentwicklung ist für 62-jährigen Jundt China. Dort sei die "Werkbank" der Welt. Viele Industrien in den entwickelten Industrieländern könnten einfach nicht mehr wachsen. Deshalb erwartet Jundt auch 2005 eine wesentliche Wachstumsabschwächung in den USA. Wie groß der Rückfall von den für heuer prognostizierten Zuwächsen im US-Bruttoinlandsprodukt von rund vier Prozent sein könnte, will er nicht detailliert sagen. Die großen Tendenzen reichen ihm. Conclusio für seine Aktienauswahl: "Wir vermeiden Unternehmen, die mit China konkurrieren." Das betreffe praktisch alle produzierenden Bereiche.

Für die Titelauswahl in seinem Jundt US-Growth-Fonds heißt das: "Wir suchen Unternehmen, die in Nischen Innovationen produzieren." Das Universum dabei sind sowohl Nasdaq als auch S-&-P-Titel. Aktuell größte Position ist XM Satellite Radio. Denn vom Satellitenradio verspricht sich Jundt eine Revolution in den USA. "Der Gesamtmarkt wird kaum nachhaltige Erträge abliefern, Einzeltitel aber schon." Demnach brechen jetzt die besten Zeiten für "Stock Picker", also Fondsmanager, die Einzeltitel auswählen, an. Jundt orientiert sich dabei überwiegend an der fundamentalen Analyse und: Er (Jundt Associates), und seine Familie haben so wie viele Inhaber von Anlagefirmen auch ihr privates Geld in den eigenen Fonds.

"Absolute-Return-Konzept light"

Für den Jundt US-Growth-Fonds gibt es zwar keine Benchmark - er fährt damit quasi ein "Absolute-Return-Konzept light". Verglichen mit der Nasdaq, hat er sich aber seit August 2000 mit minus sieben Prozent (Nasdaq: mehr als 46 Prozent minus) besser entwickelt. Angesichts der erwarteten Schwankungen ist der Fonds zu 100 Prozent via Futures abgesichert. Das Risikoprofil ist hoch, Zielgruppe sind in Österreich "professionelle Investoren". (Karin Bauer, DER STANDARD, Printausgabe, 29.3.2004)

  • Der prominente US-Fondsmanager Jim Jundt investiert auch die eigenen Millionen in seine Fonds

    Der prominente US-Fondsmanager Jim Jundt investiert auch die eigenen Millionen in seine Fonds

  • Zieht der Markt noch einmal an?
    grafik: standard

    Zieht der Markt noch einmal an?

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