Verstimmung in Rot-Grün

5. April 2004, 19:10
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Zwischen den Wahlsiegern der Landtagswahlen ist Streit ausgebrochen - von Eva Linsinger

Die ÖVP hat in Salzburg den Landeshauptmann verloren und wurde in Kärnten atomisiert, die FPÖ verlor in Salzburg mehr als die Hälfte ihrer Wähler. Der große Streit nach den Landtagswahlen ist aber zwischen den Wahlsiegern ausgebrochen: SPÖ und Grüne liefern sich ein veritables Match darum, wie denn mit Jörg Haider umzugehen sei. Und attackieren sich gegenseitig mit einer Härte, die unter Oppositionskollegen Seltenheitswert hat.

Dabei müsste den Grünen, machiavellistisch-zynisch vom Reißbrett der politischen Strategie betrachtet, die blau-rote Annäherung nicht schlecht ins Konzept passen: Nach der letzten Nationalratswahl haben sie sich darüber beklagt, dass SPÖ und Grüne im selben Wählerteich fischten. Wenn die SPÖ nun mit Jörg Haider auch blaue Wähler umarmt, könnten zwar linke Genossen zu den Grünen abwandern - die Roten aber von den Blauen gewinnen. Damit wäre eine rot-grüne Mehrheit wahrscheinlicher, zumindest theoretisch.

Wie jede theoretische Machtstrategie hat aber auch diese ein paar Haken: Erstens hat SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer die Annäherung mit dementierten Telefonaten, zeitverzögerten Distanzierungen und beleidigten Rückzugsangeboten dermaßen tollpatschig angelegt, dass, vorsichtig formuliert, kein rasend großer Wählerzugewinn zu erwarten ist - eher im Gegenteil.

Zweitens haben bisher nur die Grünen das Ziel einer rot-grünen Mehrheit formuliert, und auch das ist zwei Jahre her, mittlerweile sind sie von der einstigen Lieblingsvariante deutlich abgerückt. Wenig Wunder: Haben doch rote Spitzen wie Gabi Burgstaller Rot-Grün als "verrückt" abgelehnt. Falls hinter Blau-Rot also eine Strategie stecken sollte, deren Sinn sich zumindest Gusenbauer erschließt, verbirgt das die SPÖ geschickt. (DER STANDARD, Printausgabe, 29.3.2004)

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