VA Tech bleibt auf Diät

1. April 2004, 16:15
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Um endlich wieder schwarze Zahlen zu schreiben, müssen in den Sparten Wassertechnik und Energieübertragung bis zu 1500 Mitarbeiter abgebaut werden

Wien - Für Finanzchef Roland Scharb ist die VA Tech trotz des klar verfehlten Ziels einer scharzen Null "wieder auf Schiene". Der von 93 auf 15 Millionen Euro reduzierte Jahresverlust wiegt offenbar weniger schwer als das Betriebsergebnis, das um 22 Prozent auf 101 Mio. Euro stieg.

Scharb sieht damit in seiner letzten Bilanz, die er nach 15-jähriger Tätigkeit für den Linzer Anlagenbaukonzern erstellte, seine persönliche "Traumzahl" erreicht. "Trotz enormer Firmenwertabschreibungen", die der 58-Jährige im Volumen von 52 Mio. Euro vornehmen musste.

Mehr als schwarze Zahlen

Heuer soll die VA Tech schaffen, was sie aufgrund des Debakels mit der Wassertechniktochter Wabag und dem Einbruch im Energiegeschäft (T&D) auch im Vorjahr verfehlte: einen eindeutigen Jahresüberschuss, also mehr als schwarze Zahlen, wie VA-Tech-General Erich Becker in der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag versicherte.

Becker selbst wird die Früchte des Restrukturierungskurses nicht mehr ernten, er scheidet spätestens am 31. August aus dem seit Jahren in Turbulenzen befindlichen, ehemaligen Verstaatlichtenkonzern aus. Nachfolger für die beiden Funktionen sucht, wie berichtet, der Headhunter Spencer Stuart. Das Match um den Chefsessel dürfte sich zwischen den Vorständen Klaus Sernetz (Elin EBG) und Gerhard Falch (VAI/Metallurgie) abspielen, wenngleich auch externe Spitzenleute Interesse zeigten, heißt es in ÖIAG-Kreisen.

Keine Dividende 2003?

Fix ist, dass der Vorstand der Hauptversammlung vorschlagen wird, für 2003 keine Dividende auszuschütten, nachdem 2002 noch 50 Cent je Aktie gezahlt worden waren. Die Aktionärsversammlung wird am 29. April auch darüber befinden, ob und in welchem Volumen die Kapitalerhöhung erfolgen wird. Laut Becker sollte diese substanziell sein, um organisches Wachstum und eine Eigenkapitalstärkung von 13,3 auf 20 Prozent zu ermöglichen. Als substanziell definierte er 50 Prozent des Grundkapitals oder 7,5 Millionen Aktien, was zum aktuellen Kurs etwas mehr als 250 Mio. Euro wäre und innerhalb von fünf Jahren platzierbar sein sollte. Der Optimismus der VA-Tech-Chefs ist im Auftragseingang begründet, der um fünf Prozent auf 4,336 stieg. Davon 400 Mio. Euro stammen allein von der wieder erstarkten Metallurgie, die vom Stahlboom in China und den GUS-Staaten profitiert.

Teuer kommen auch heuer die Sorgenkinder Wassertechnik und T&D, sie müssen restrukturiert werden. Die indische Wabag-Tochter wird verkauft und der Rest herunter- gefahren werden, sodass die Wabag am Ende statt 700 nur mehr rund 150 Mitarbeiter haben wird. T&D, deren Ebit von 50 auf 15,8 Mio. Euro schrumpfte, wird rund 800 Mitarbeiter abbauen. (DER STANDARD Printausgabe, 26.3.2004, ung)

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