Absicherung gegen einen Rückschlag im Wiener ATX

2. April 2004, 13:23
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Wer fallende Kurse im ATX erwartet, kann verkaufen - Seine Papiere mit Derivaten absichern, gestaltet sich in Wien schwieriger - Ein Wegweiser

Verhält sich die Börse vielleicht konträr zum Wetter? Immerhin heizten während der kalten Monate die Kurse ordentlich ein, und jetzt, wenn die Temperaturen steigen, beginnt man an der Börse offenbar zu frösteln.

Umso mehr stellt sich die Frage: Wie können die Kursgewinne abgesichert werden? Die einfachste Lösung: Aktien verkaufen und damit die Kursgewinne realisieren.

Frage der Neuveranlagung

Dann stellt sich freilich die Frage der Neuveranlagung. Anleihen sind angesichts der allgemein erwarteten Zinssteigerung nicht gerade das Gelbe vom Ei, auch wenn sich die Prognosen der Zinsgurus schon oft genug als falsch erwiesen haben.

Eine amerikanische Studie zeigte kürzlich, dass die halbjährlich erfragten Zinsprognosen der US-Experten über einen Zeitraum von 21 Jahren nur in zwölf von 42 Umfragen die richtige Tendenz vorhersagten.

Wer mangels Anlagealternativen beschließt, trotz zu erwartender Kursrückgänge seine Aktien zu halten, dem bieten sich aber auch andere Sicherungen und Möglichkeiten, an fallenden Kursen zu profitieren. Eine Möglichkeit wäre die Turbo-Short-Variante von Index-Zertifikaten. Die Raiffeisen Centro Bank (RCB) hat drei solche mit unbegrenzter Laufzeit auf den ATX am Markt.

Beispiel

Das ATX-Turbo-Short-Zertifikat auf einer Indexbasis von 2200 (WKN A0CT5P). Bei einem Index-stand von 1800 Punkten und einem Bezugsverhältnis 100:1 ergäbe sich ein Wert von vier Euro.

Fällt der Index auf 1600 zurück, steigt der Wert auf sechs Euro. Klettert allerdings der ATX auf 2000, halbiert sich der Zertifikatpreis auf zwei Euro. Je näher der Basis-preis am Marktstand, umso höher das Risiko.

Weitere Turbo-Shorts auf den ATX bietet die RCB mit Basis 2000 (für besonders Risikofreudige) und 2400 (die stärker abgesicherte Version).

Wenig Angebot

Für einzelne österreichische Aktien gibt es solche Instrumente derzeit noch nicht. Wer konkrete österreichische Aktienpositionen absichern möchte, findet leider bei den Optionsscheinen keine geeigneten Put-Scheine, also Verkaufsoptionen.

Die wenigen Scheine, die es gibt, liegen weit "außerhalb des Geldes", das heißt, der Basispreis liegt mehr oder weniger weit unter dem aktuellen Börsenkurs der Aktie.

Die Alternative wäre, sofern ausreichende Positionen bestehen, der Kauf von Put-Optionen (siehe Kasten) über die ÖTOB. Damit verringert sich zwar der mögliche Kursgewinn um die Kosten der Option, doch der Rest ist gesichert. Bei einem weiteren Anstieg des Aktienkurses ist man freilich nicht mehr dabei.

Flaues Handelsvolumen

Zwar hat die Terminabteilung der Wiener Börse längst nicht die gewünschte Bedeutung erreicht, was sich am flauen Handelsvolumen ablesen lässt. Aber bei einigen ATX-Titeln wie Telekom, VA-Tech, Wienerberger oder AUA kommt doch täglich etwas Umsatz zustande.

Immerhin ist die Zahl der offenen Kontrakte seit Dezember 2003 um rund 55 Prozent gestiegen, wobei die Puts überdurchschnittlich zulegten. (DER STANDARD Printausgabe, 22.03.2004, Nikolaus Dolenz)

  • Infografik: ATX - Ist eine Korrektur fällig?
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    Infografik: ATX - Ist eine Korrektur fällig?

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