Drei Ex-Kandidatinnen für Fischer, eine Ex-First-Lady für Ferrero

5. April 2004, 12:58
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Meissner-Blau, Schmidt und Knoll würdigen Fischers Einsatz für die Frauen - Edith Klestil: Künftiger Bundespräsident sollte "möglichst alles besser" machen

Wien - Die drei früheren Präsidentschaftskandidatinnen Freda Meissner-Blau, Heide Schmidt und Gertraud Knoll haben am Mittwoch die Werbetrommel für den SPÖ-Bewerber Heinz Fischer gerührt. In einer gemeinsamen Pressekonferenz verwiesen die drei Damen vor allem auf Fischers soziales Gewissen, seine Sensibilität, seine Haltung für die Neutralität und sein tatsächliches Eintreten für die Gleichberechtigung der Frauen - im Gegensatz zur ÖVP-Kandidatin Benita Ferrero-Waldner.

"Ich mache aus meinem Herzen keine Mördergrube, ich hätte gerne eine Frau gewählt", sagte Meissner-Blau. Bedingung wäre aber gewesen, dass sie die gleichen Fähigkeiten, Kompetenzen, die gleiche Krisenfestigkeit gehabt hätte. Hier neige sich die Waage aber "so eindeutig" zu Fischer, dass sie nur ihn wählen könne. Meissner-Blau stellte die Frage, was Ferrero-Waldner für die Frauen geleistet habe um sie auch gleich selbst zu beantworten: In ihrem Außenministerium gebe es unter den 14 Sektionschefs und Stellvertretern nur eine Frau. Die Frauenfrage sei nicht eine Geschlechterfrage, sondern eine Frage der Einstellung.

Fischer habe im Parlament bewiesen, dass er die Frauen fördere. In der Frage der Neutralität könne man entweder dafür oder dagegen sein, aber nicht einmal dafür und einmal dagegen wie Ferrero-Waldner. Die Darstellung Fischers als "grauen Funktionär" wies Meissner-Blau zurück. Er sei ein "äußerst lebendiger", ein "geradezu bebender Mensch".

Für Heide Schmidt gibt es die Wahl zwischen einer "moralischen Autorität" und einer "Repräsentantin". Fischer stehe für "Offenheit, Toleranz, Solidarität und vor allem für Fairness". Als Nationalratspräsident habe Fischer Fairness, Überparteilichkeit und Sensibilität bewiesen. Diese Sensibilität fehle Ferrero-Waldner. Wenn sie nun plakatiere, sie sei "die erste, die wie eine Löwin für Österreich gekämpft hat", dann sei das eine "Diskriminierung" all jener Menschen, die schon unter Einsatz ihres Lebens für Österreich gekämpft haben. Im höchsten Amt im Staat komme es auch auf Fingerspitzengefühl an, sagte Schmidt in Richtung Ferrero-Waldner.

Die frühere LIF-Chefin hielt Fischer auch zugute, dass er "Bausteine für eine Kulturgesellschaft" gelegt habe. Er habe moderne Malerei ins Parlament geholt und Lesungen veranstaltet und damit einen "kulturellen Aspekt transportiert".

Gertraud Knoll würdigte Fischer als "soziales Gewissen" und als "besten Hüter der Demokratie, den Österreich haben kann". Für sie ist er "nicht nur eine erfahrener, gebildeter und kompetenter Staatsmann, sondern auch ein bezaubernder Mensch". Als sie Morddrohungen erhalten hatte, habe Fischer sie angerufen und ihr und ihrer Familie Hilfe angeboten, erzählte Knoll. Fischer habe nicht nur ein soziales Gewissen, er lebe das auch aus tiefer Überzeugung. Das sei in einer Zeit, in der viele Menschen in die Armut gedrängt würden, wichtiger als eine "Charity-Politik". Eine "grundsätzliche Voraussetzung" für den Bundespräsidenten als Oberbefehlshaber des Bundesheeres ist für Knoll auch das "eindeutige Nein" Fischers zu einem NATO-Beitritt und dessen "verlässliches Ja" zur Neutralität.

Edith Klestil unterstützt Ferrero-Waldner

Das Unterstützungskomitee für die ÖVP-Präsidentschaftskandidatin Benita Ferrero-Waldner hat am Mittwoch Edith Klestil, die geschiedene Frau von Bundespräsident Thomas Klestil, als weiteres prominentes Mitglied präsentiert. Ihr Engagement für Ferrero-Waldner begründete Edith Klestil damit, dass Österreich reif für die erste Bundespräsidentin sei. Als ihr Ex-Mann vor zwölf Jahren gewählt worden sei, sei das Anforderungsprofil noch ein anderes gewesen. Aber die Welt habe sich schnell weiter gedreht und jetzt bestehe die Chance für eine Frau, "und zwar für eine kompetente Frau".

Auf die Frage, was der künftige Bundespräsident anders machen sollte als der jetzige, antwortete Edith Klestil: "Möglichst alles besser." Die Nachfrage, was damit konkret gemeint sei, beantwortete die Ex-Frau des jetzigen Staatsoberhauptes folgendermaßen: Sie wisse nicht so genau, was die bisherigen Bundespräsidenten gemacht haben, "daher kann ich nicht sagen, was der neue Bundespräsident besser machen sollte".

Den Auftritt der drei früheren Präsidentschaftskandidatinnen Heide Schmidt, Freda Meissner-Blau und Gertraud Knoll für den SPÖ-Bewerber Heinz Fischer bezeichnete der Sprecher des Personenkomitees für Ferrero-Waldner, Kurt Bergmann, als "grotesk". Jede dieser drei Frauen sei damals unter dem Aspekt angetreten, eine Frau solle Bundespräsidentin werden und jetzt würden sie "frustriert" für einen Mann werben. Das sei "in der Nähe des Witzbuches" angesiedelt, meinte Bergmann in der Pressekonferenz.

Bergmann zog auch eine positive Zwischenbilanz seines Personenkomitees. Derzeit zählt das Komitee rund 3.400 Mitglieder. 500 kleiner Initiativen wurden bisher im ganzen Land gegründet. Bergmann sprach von einer "Welle, einer Bewegung, die durch das Land geht". An dem Slogan-Wettbewerb auf der Homepage http://www.benita.at hätten sich 864 Personen beteiligt. Die zehn Sieger pro Bundesland mit ihren Sprüchen wie "lieber eine Dame von Format als ein Mann vom Apparat" werden zu einem Treffen mit Ferrero-Waldner eingeladen. Einige Sprüche werden auch als Post- bzw. E-Cards aufgelegt und mit einer "Benita-Marke" frankiert.

Auf der Homepage installiert wurde auch das Spiel "Remember'n", bei dem nach dem "Memory"-Vorbild jeweils zwei Fotos von Prominenten zusammen gefunden werden müssen. Für die Aktion "Benita hilft", bei der sozial bedürftige Menschen unterstützt werden sollen, stehen insgesamt 100.000 Euro zur Verfügung. (APA)

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    Edith Klestil für Ferrero

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    Die drei Ex-Kandidatinnen für Fischer

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