Ex-Springer-Duell um ÖSV-Chefposten

    22. März 2004, 15:53
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    Entscheidung nächste Woche erwartet - Innauer verlangt mehr Professionalität - Mindestgewicht für Springer im Gespräch

    Wien - Nach der nicht nach Wunsch verlaufenen Saison der ÖSV-Skispringer wird der Nachfolger von Hannu Lepistö wohl in der kommenden Woche feststehen. Alles läuft auf eine österreichische Lösung hinaus: Die Kandidaten scheinen sich nun auf Alexander Pointner und Andreas Felder reduziert zu haben.

    "Pointex" im Vorteil

    Im Falle des Kombi-Springertrainers Felder könnte sich der Nordische Sportdirektor für Springen und Kombination, Toni Innauer, eine Rochade ähnlich wie bei den Deutschen vorstellen. Also Felder als Spezialsprungtrainer und Pointner bei den Kombinierern. Aber es ist bekannt, dass Felder weiterhin mit Felix Gottwald und Co. arbeiten möchte, daher stehen die Karten offenbar gut für "Pointex".

    Abstimmungsprobleme

    Innauer nutzte am Dienstag einen Wien-Aufenthalt, der ihn gemeinsam mit ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel auch zu einem Sponsortermin bei der OMV führen sollte, für Bilanz und Ausblick. U.a. sprach er noch ein Mal über die letztlich nicht in bestem Einvernehmen beendete Zusammenarbeit mit Trainer Hannu Lepistö. "Es hat Probleme mit der Abstimmung gegeben. Hannu hat nur zu Hölli und Morgenstern einen guten Draht gefunden, alle anderen sind quasi brach gelegen", so Innauer. Widhölzl habe beispielsweise keinen Zugang zu Lepistö gefunden.

    Der Rücktritt Lepistös sei eigentlich in Planica nach dem Gewinn der Bronzemedaille schon ausgemacht gewesen, "aber er hat sich nicht an die Abmachung gehalten". Innauer wollte aber auch mit einigen Darstellungen seiner Rolle in den Medien aufräumen: "Es ist ein Mythos, der sich eigentlich schon seit Heinz Koch hält, dass ich überall dreinrede. Ich bin zurückhaltend, aber jeder sollte seine Qualitäten einbringen können."

    Kritik an Höllwarth

    In Sachen Motivation hatte Innauer aber eine Botschaft: "Ich möchte Athleten und Mitarbeiter haben, die bereit sind, nicht nur für sich, sondern auch für die Sportart und den ÖSV Verantwortung zu übernehmen", so der Vorarlberger. Er spielte dabei u.a. auch auf den im Finish wegen der Krankheit seines Sohnes heimgereisten Martin Höllwarth an, der seine hochschwangere Frau nicht alleine lassen wollte. Von einem Profi könne man verlangen, dass dieser sein Umfeld so gestaltet, dass er für solche Fälle nicht heimreisen muss. Höllwarth hatte die letzten Saisonspringen ausgelassen, im Endeffekt fehlten ihm nur 90 Punkte zum Saisonziel Platz drei im Gesamtweltcup.

    Beginn einer neuen Ära

    Innauer spricht von einer neuen Ära, die nun anbreche, mit drei Höhepunkten in Folge (WM 2005 in Oberstdorf, Olympia 2006 und WM 2007 in Sapporo). "Ich habe noch Lust, die nächsten zwei, drei Jahre in dieser Position zu verbringen. Dann werde ich wahrscheinlich etwas anderes machen. Und da will ich noch einmal das Außergewöhnliche anstreben", so der Olympiasieger von 1980. Zu den Rücktrittsgedanken von Höllwarth und Goldberger wollte er nur sagen, dass nicht alles allein vom Trainer abhänge, sondern von der Einstellung.

    Mindestgewichts-Diskussion

    Innauer rechnet damit, dass die Beiden wohl auch eine anstehende neue Regel für eine sinnvolle Gewichtskontrolle abwarten werden. "Ich denke, dass wir ein bestimmtes Mindestgewicht im Verhältnis zur Körpergröße festlegen werden." Im schon alltäglichen Prozedere des Vermessens von Anzug und Ski könne man die Abwaage der Athleten selbst mühelos einfügen. Die Diskussion rund um das Körpergewicht hatte sich vergangene Saison massiv gehalten, nun scheint die FIS endgültig auch ein diesbezügliches Regulativ anzustreben. Eine Entscheidung darüber ist Ende Mai/Anfang Juni beim Kongress in Miami zu erwarten. Bis dahin ist auch der neue ÖSV-Springer-Cheftrainer bekannt. Nach der ÖSV-Konferenz am Freitag erhofft Innauer eine Entscheidung schon in der kommenden Woche. (APA)

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