Glawischnig schaffte in Kärnten "Quantensprung" für Grüne

5. April 2004, 12:36
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Von der Keyborderin der "Gerald Gaugeler Band" zur Grünen Vizechefin

Wien - Der erstmalige Einzug der Grünen in den Kärntner Landtag wäre ohne den persönlichen Einsatz der stellvertretenden Bundessprecherin Eva Glawischnig kaum möglich gewesen. "Sie hat auf volles Risiko gesetzt und den Quantensprung geschafft - der letzte weiße Fleck auf Österreichs Landkarte wurde auch grün", freut man sich in der Ökopartei über den Erfolg der 35-jährigen gebürtigen Kärntnerin. Glawischnig selbst sprach vom "glücklichsten Tag" in ihrem politischen Leben.

In den Schlagzeilen war Glawischnig zuletzt geraten, als die Grünen überlegten, sie als Bundespräsidentschaftskandidatin aufzustellen. Sie habe sich dagegen entschieden und nach Rücksprache mit Bundessprecher Alexander Van der Bellen "volle Konzentration auf Kärnten" gelegt. "Das hat sich im Rückblick trotz einiger Bedenken voll bewährt", heißt es in der Grün-Zentrale.

Dass sie als Nachfolgerin von Parteichef Van der Bellen - als "Grüne Kronprinzessin" - gehandelt wird, ist Glawischnig ein Dorn im Auge. Sie selbst wünschte Van der Bellen jedenfalls zuletzt ein "sehr sehr langes politisches Leben".

Die am 28. Februar 1969 in Seeboden geborene Eva Glawischnig hatte schon mit 18 Jahren auf sich aufmerksam gemacht - allerdings noch nicht politisch, sondern musikalisch. Mit der Gerald Gaugeler Band" schaffte sie am Keyboard damals sogar den Einzug in die Austro-Hitparade mit dem Hit "Gelati".

Aufgewachsen ist Glawischnig im Gasthaus ihrer Eltern mit einer Schwester und einem Bruder im freiheitlich-nationalen Kernland in Seeboden am Millstätter See. In der "Hausmusik Glawischnig" spielte sie Hackbrett - nun gelang es ihr, auf politischer Bühne in Kärnten den etablierten drei Parteien FPÖ, SPÖ und ÖVP den Marsch zu blasen und trotz fast unüberwindlich scheinender Prozenthürde den Sprung in den Landtag zu schaffen.

Von der Schlagersängerin zur Grünen Vizechefin wäre allerdings eine zu kurz gegriffene Darstellung. Ihre politischen Wurzeln hatte sie bei der Umweltorganisation Global 2000. Die Juristin erwarb sich dabei erste Sporen durch ihren Einsatz gegen die Ennsnahe Trasse in der Steiermark. Einer der umweltpolitischen Schwerpunkte von Glawischnig ist ihr Einsatz gegen Atomkraftwerke. Sie hat auch die erste Musterklage in Österreich gegen ein AKW eingebracht, und zwar gegen das grenznahe slowakische Kernkraftwerk Mochovce. In ihrer Zeit bei Global 2000 hatte sie ihre Dissertation mit dem Thema Schadenersatzansprüche im Zusammenhang mit Atomkraftwerken verfasst.

Bei den Wiener Landtagswahlen startete Glawischnig 1996 mit einer Wahlniederlage. Danach arbeitete sie als grüne Wiener Umweltsprecherin ohne Mandat mit einem 20-Stunden-Vertrag. Im Nationalrat ist Glawischnig, nachdem sie als Wiener Spitzenkandidatin angetreten war, seit den Wahlen 1999. Eine Enttäuschung gab es sowohl für Van der Bellen als auch für Glawischnig nach den Nationalratswahlen 2002 bei den Koalitionsgesprächen mit der ÖVP. Glawischnig wurde damals schon als künftige Umweltministerin einer schwarz-grünen Regierung gehandelt, doch kam dann wieder eine ÖVP-FPÖ-Regierung.

Seither gibt es auch zahlreiche Reibereien mit der Volkspartei. So wurde Glawischnig von Nationalratspräsident Andreas Khol (V) als "radikale, aber wunderschöne Marxistin" bezeichnet. Die Grüne Frontfrau schenkte aber den anderen Parteien nichts. Einige "Sager" von Glawischnig: "Der sich virusartig ausbreitende Realitätsverlust scheint von der FPÖ auf die ÖVP übergesprungen zu sein", die "unverschämte" Parteienförderung in Kärnten für FPÖ, SPÖ und ÖVP, "Haider ist ein Pensionsräuber", "Schüssel ein unehrlicher Spieler" oder "Schwarz-Blau ist ein totes Projekt".

Um in Kärnten zu punkten, verschlug es Glawischnig zuletzt aber auch auf den "Kärntner Ball" in einem Wiener Hotel. Dort unterhielt sie sich nicht nur am selben Tisch mit FPÖ-Chef Herbert Haupt, der ebenfalls aus Seeboden stammt, sondern die beiden wurden auch beim gemeinsamen Tanz abgelichtet.

Ihr Privatleben schirmt Glawischnig so gut es geht ab. Von ihren KollegInnen wird sie als "großartiger Teammensch" gelobt. Innerparteilich gilt sie als engste Vertraute von Van der Bellen. Die Kultursprecherin mit Schwerpunkt Alternativbereich hat auch eine Vorliebe für den Sport. Die exzellente Skifahrerin wechselte zuletzt auf Snowboard, was nicht ganz einfach war. "Da hat es mich drei Tage lang ziemlich gebeutelt. Aber wenn ich was anfange, ziehe ich es durch". Es dürfte sich um die einzigen blauen Flecken von Glawischnig gehandelt haben. (APA)

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    Eva Glawischnig

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