Heiße Spur: Die Libro-YLine-Connection

5. März 2004, 17:25
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Querverbindungen zwischen Rettberg-Millionen und Aktien aus dem YLine-Skandal in Liechtenstein - Zwangs­ausgleich wackelt

Wien - Die polizeilichen Ermittlungen in der Causa des flüchtigen Libro-Gründers André Rettberg laufen weiter auf Hochtouren. Unterdessen sickerte erstmals durch, dass es mehr als historische Verbindungen zwischen den Rettberg-Millionen und der im September 2001 in die Pleite geschlitterten Internetfirma YLine geben könnte. Damit bekommen beide Fälle möglicherweise eine ganz neue Dimension, hieß es am Dienstag in involvierten Kreisen.

Bei der Suche nach den mittlerweile aufgetauchten rund 4,4 Millionen Euro von Rettberg stießen die Ermittler laut Gerichtsakt auf die Treuhandgesellschaft Jura Trust. Die Rettberg-Gelder sollen von Wien über die Schweiz zur Jura Trust nach Vaduz in Liechtenstein und von dort zurück nach Wien geschickt worden sein: auf ein Konto von Rettbergs Geschäftsfreunden rund um die Wiener VCH-IMB- Gruppe. Ein VCH-Aufsichtsrat zum Standard: "Wir hatten mit dieser Jura Trust nur indirekt zu tun. Rettberg hat damals wahrscheinlich diese Wege gewählt, um selbst nicht aufzuscheinen."

Jura Trust im Fokus

Jura Trust spielt aber auch eine Rolle im YLine-Skandal, wie aus der dem STANDARD vorliegenden Sachverhaltsdarstellung der Finanzmarktaufsicht hervorgeht. Wobei derzeit nicht ausgeschlossen werden kann, dass sich beide Stränge zufällig bei Jura Trust treffen. Die Spur wird dennoch als heiß eingestuft.

Wie berichtet, wurde von der Finanzmarktaufsicht (FMA) gegen drei ehemalige YLine-Vorstände sowie zwei Aufsichtsratsmitglieder - nicht aber gegen YLine-Gründer Werner Böhm - Anzeige wegen des Verdachts auf Insiderhandel erstattet.

Spinola Stiftung

Aus der FMA-Überprüfung der verdächtigen Aktientransaktionen geht hervor, dass Anfang 2000 Tausende YLine- Aktien auf einem Depot der Spinola Privatstiftung (Liechtenstein) landeten. Zitat aus dem FMA-Papier: "Die Stiftung wurde am 13. 8. 1998 von der Firma Jura Trust AG, Vaduz, errichtet." Ein ebenso vorliegendes Schreiben der Interpol Vaduz bestätigt, dass Jura Trust Repräsentant der Spinola Stiftung ist.

Als Verwaltungsratsmitglied der Jura Trust scheint laut dem Interpol-Schreiben neben drei anderen Personen ein "Dr. iur. E. Michael Feichtinger" aus Vaduz auf.

Sollte es sich um den auch in Wien bekannten, seinerzeit aus Kärnten ausgewanderten Anwalt und Treuhänder Michael Feichtinger handeln, und keine zufällige Namensgleichheit vorliegen, dürfte diese Spur der Ermittler noch einigen Staub aufwirbeln. Für alle Beteiligten gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung.

Grüne Anfrage an Grasser

Die Grünen wollen jedenfalls in einer parlamentarischen Anfrage an Finanzminister Karl-Heinz Grasser nun genauere Auskunft darüber, ob und welche Verbindung zwischen Grasser und Feichtinger bestehen könnte.

Ein gewisser Michael Feichtinger soll nämlich Gast bei Grassers mittlerweile berühmten Empfang im Finanzministerium gewesen sein, wo eine erlauchte Runde zu Philharmonikerklängen und bei Do-&-Co-Essen 2003 am Vorabend des Opernballs speiste.

IBM aus der Deckung

Indes wurde am Dienstag klar, dass der von YLine-Gründer Werner Böhm angestrebte Zwangsausgleich mehr als wackelt. Der YLine-Hauptgläubiger, die Österreich- Tochter des US-Computergiganten IBM, will auf ihre Konkursforderung in Höhe von 16 Mio. Euro nicht verzichten. Zuletzt hatte es massive Gerüchte gegeben, dass IBM auf die Millionen verzichtet, um dem ehemaligen IBM-Mann Böhm den Zwangsausgleich zu ermöglichen.

Masseverwalter Christoph Stapf begrüßt den Schritt, so IBM die Forderung tatsächlich einbringt, hätte doch der Zwangsausgleich - höchstwahrscheinlich - zu einer Einstellung des YLine-Verfahrens geführt. Näher erklären will sich IBM weiterhin nicht.

Werner Böhm sagte zum Standard: "Das wird noch eine interessante Frage, ob IBM ein echter Gläubiger ist oder ob die Rolle von IBM nicht eine eigenkapitalersetzende war. Das werden die Gerichte zu klären haben. Ich halte an meinem Plan fest." (Michael Bachner, Renate Graber, DER STANDARD Printausgabe, 25.2.2004)

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    Gelder des flüchtigen Libro-Gründers Rettberg hatten zwischenzeitlich denselben Hafen gefunden wie Aktien aus dem YLine-Skandal

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