"Theater ist ein Grundbedürfnis"

10. September 2004, 14:57

Die Schauspielgruppe "TIWO" macht das Wohnzimmer zur Bühne

Isabella Hager

Drei mal vier Meter misst die Bühne. Als Bühnenbild dienen ein gestreiftes Sofa und ein Spiegel, der an der Wand hängt. Im Hintergrund steht ein Regal, eine Flasche und Gläser darauf, die Schauspieler sitzen bewegungslos auf Stühlen am Rand der Bühne.

"TheaterImWohnzimmer", kurz: TIWO, nennt sich die Gruppe von Schauspielstudenten und -absolventen, die genau das machen, was der Name sagt: Theater im Wohnzimmer. "Wenn die Leute nicht ins Theater kommen, dann kommt eben das Theater zu ihnen", erklärt Akteur Manuel Rubey die Grundidee.

Entstanden ist "TIWO" als Dominik Kaschke und Geza Terner gemeinsam mit Rubey das Stück "Kunst" von Yasmina Reza als Diplomstück einstudierten. "Kunst" dreht sich um eine Männerfreundschaft, die an dem Kauf eines Bildes zu zerbrechen droht. "Es hätte uns Leid getan, es nur die vorgegebenen vier Male zu spielen und dann ist uns die Idee gekommen, bei Freunden und auf Festen aufzutreten." Über 30-mal hat das junge Ensemble "Kunst" mittlerweile aufgeführt, "zum Teil in den absurdesten Wohnzimmern". Seit Januar ist das Stück "Die Physiker" von Friedrich Dürrenmatt neu im Repertoire.

Wohnzimmerkriterien

Ein wenig wurde Dürrenmatts Text umgeschrieben, quasi wohnzimmertauglich gemacht. "Sie müssen in geschlossenen Räumen spielen", erklärt Rubey die Kriterien bei der Stückauswahl, denn "es wäre absurd, eine Blumenwiese darstellen zu wollen".

Die Idee des Theaters im Wohnzimmer selbst ist nicht neu. Bereits in den Zwanzigerjahren veranstaltete das Bürgertum so genanntes "Salontheater", was in den 70ern von Pavel Kohut in Kellern und Wohnzimmern der Wortführer des Prager Frühlings wieder aufgegriffen wurde. Die Motivation von "TIWO" ist keine politische, vielmehr geht es auch darum, Konzepte zu entwickeln, um besonders jungen Menschen das Theater näher zu bringen. "Vielleicht ist es auch ein selbst auferlegter Kulturauftrag", meint Rubey, denn obwohl "Theater ein Grundbedürfnis ist", sei es immer schwieriger, vor allem junge Menschen "freiwillig ins Theater zu bekommen".

Zusätzlicher Ansporn ist ein Mangel an Rollen für junge Schauspieler. Manuel Rubey sieht hier eine Notwendigkeit, neue Arbeitsbedingungen zu schaffen, um sich verwirklichen zu können. "Es gilt hier, neue Berufsfelder zu finden."
Die nächsten Aufführungen
von "Kunst" finden am 18., 19.,
20. und 25. März im Stadtthea-
ter Mödling statt.

www.tiwo.net

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