Eine Stunde auf dem Pannenstreifen

9. Februar 2012, 17:18
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Eiseskälte, quängelnder Nachwuchs und ein Funkloch werden für den Dichterfürsten zur Zerreißprobe

Wenn man auf dem Pannenstreifen eine Stunde auf den Abschleppdienst wartet, steht die Zeit zwar still, das Leben aber geht weiter schief. Warum zum Beispiel bleibt in dieser Zeit nur ein einziger anderer Ö-Driver stehen, um zu fragen, ob er helfen kann? Hat das etwas mit Räubergeschichten in der Krone, Angst und dem Ende der Unschuldsvermutung zu tun? Der Nachwuchs auf der Rückbank merkt kritisch an, dass man doch jetzt bitte wieder den Motor starten könne, es werde langsam saukalt. Stimmt. Draußen hat es minus 15 Grad. Den Eisblumen auf den Fenstern geht es gut. Eigentlich ist es jetzt schon so klamm, dass man nicht mehr ohne Zittern die Nummer vom Notruf wieder und wieder wählen kann, weil man wegen eines Funklochs ständig aus dem Netz fliegt.

Hast du den Abschlepper angerufen?

Liebe Kinder, leider geht das mit dem Starten insofern nicht, als wir hier auf dem Scheißpannenstreifen stehen, weil der hundsverreckte Scheißkübel eingegangen ist! Tu nicht fluchen, Papa! Wann fahren wir denn weiter? Papa weiß es nicht. Hast du den Abschlepper angerufen? Der Vater sagt: ja. Wann kommt er denn? Papa sagt. Er. Weiß. Es. Nicht. Schrei nicht so, Papa! Der Vater sagt ... lieber nichts. Ich glaube, da hinten kommt er, Papa. Ist der Abschlepper rot? Der Vater sagt, er sollte eher gelb sein. Die Kinder sagen jetzt ein Wort, dass man in der Schule nicht sagen darf.
Vom Abschlepper, warum es wichtig ist, den ÖAMTC-Mitgliedsbeitrag zu zahlen, wie man Kinder in einer Werkstatt in St. Pölten einen Nachmittag lang unterhält - und was das mit einer "Zylinderkopfdichtung" zu tun hat, ein anderes Mal. (Christian Schachinger, Rondo, DER STANDARD, 10.02.2012)

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    Wenn man auf den Pannendienst wartet steht die Zeit still.

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